Impulse für den Glauben - elfter Teil - XIV
Seit dem 8. Januar 2026 gibt es den neuen Impuls zum Glauben:
«Die Champions League des Lebens – Warum Älterwerden das Beste ist, was uns passieren kann».
Mit dem Buch von Markus Müller (SZM Hänssler-Verlag, ISBN: 978-3-7751-5906-7)
Gespenster
Wo viel Mut, viel Hoffnung und viel guter Wille ist, finden sich schnell auch Bremser und Bedenkenträger. Auch im Älterwerden gibt es diese heimtückischen und hinterlistigen Räuber. Sie rauben Spiel,- Lebens- und Zukunftsfreude. Da ist zum Beispiel die Angst vor Demenz, Abhängigkeit, Unselbständigkeit, Krankheit und dem Pflegeheim.
Angst vor Demenz
Wie ein Gespenst geht die Angst vor der Demenz herum. Die Vorstellung, dement zu werden, lähmt, blockiert, raubt Lebenslust, macht traurig und treibt in Sprachlosigkeit und Ohnmacht. Wichtig zu wissen: Demenz ist keine Krankheit (im klassischen Sinn) und raubt einer Person das „Ich“ nicht. Unwidersprochen: Im Älterwerden des Menschen treten Veränderungen auf. Wir denken nicht mehr so schnell, wir laufen langsamer, der Lebensradius wird kleiner, notwendige Erholungszeiten werden länger. Aber sind solche Erscheinungen gleich mit Demenz in Verbindung zu bringen? Mit dem Begriff Demenz wird speziell das (abnehmende) Orientierungsvermögen, die (abnehmende) Erinnerungsfähigkeit und die (abnehmende) Fähigkeit zu selbstverantworteter Lebens- und Beziehungsgestaltung beschrieben.
Zu bedenken gilt: Medikamente sind zwar schnell verschrieben, haben aber langzeitig ungesicherte Wirkung und werden in der Regel nur selten rechtzeitig wieder abgesetzt. Angesichts der Verletzlichkeit des Menschen im Alter und hohen Alter könnte es gut nachvollziehbar sein, dass ein Mensch einfach genug hat von der schwierigen, schnelllebigen und überfordernden Zeit, in der er lebt. Deshalb könnte „Demenz“ auch als Ausstieg aus der Komplexität dieser Welt verstanden werden. Müssten wir eventuell nicht auch mehr das Augenmerk auf andere Problemfelder einer Person richtigen, z.B. Bitterkeit, Eifersucht, Negativurteile, Vorwurfshaltung, Unversöhnlichkeit?
Dass Demenz die Persönlichkeit einer Person rauben soll, ist infrage zu stellen. Was dem Menschen bleibt, ist die grundlegende Art, sich auszudrücken, sich Gehör zu verschaffen, um Hilfe zu bitten oder ganz schlicht Dinge mitzuteilen. Diese Absicht nennt der emeritierte Professor und Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, Dr. Andreas Kruse (*1955) „Inseln des Selbst“. Denken und Verhalten schwindet, Absichten bleiben.
Was sind denn die Faktoren, die darüber befinden, ob Demenz wie ein Schicksal durchbricht oder aber doch alles andere als hoffnungslos ist? Es sind die Dimensionen Verstehen, Beziehung und Sinn. Der Umgang mit der Komplexität der sogenannten offenen, individualisierten, modern-postmodernen Gesellschaft ist anders, wenn Verstehen, Erkennen und Begreifen nicht auf der Schulter eines Einzelnen, sondern auf den Schultern einer Gemeinschaft ruhen. Wie es der US-amerikanische Professor für Präventiv- und Umweltmedizin, David Snowdon, in einer 15-jährigen Langzeitstudie im Hinblick auf Alter und Demenz mit über 600 Nonnen im Alter zwischen 76 und 107 Jahren untersuchte.
Ist es möglich, dass das, was die „Schwarze Pest“ im Mittelalter war, heute die Demenz ist? Wir sollten uns dieser Herausforderung stellen – persönlich, gemeinschaftlich und gesellschaftlich.
Reflexionsfrage
Kenne ich in meinem engeren Familien- und Bekanntenkreis Personen, die von Demenz betroffen sind?
Wie gehe ich damit um? Erhalte ich von irgendwoher Hilfe?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.