Impulse für den Glauben - elfter Teil - VIII
Seit dem 8. Januar 2026 gibt es den neuen Impuls zum Glauben:
«Die Champions League des Lebens – Warum Älterwerden das Beste ist, was uns passieren kann».
Mit dem Buch von Markus Müller (SZM Hänssler-Verlag, ISBN: 978-3-7751-5906-7)
Das „hohe“ oder „erfüllte“ Alter (80/85+)
Es ist sinnvoll, das Leben nicht von der Geburt eines Menschen, sondern vom unweigerlich kommenden Ende her zu denken, weil dies der denkbar beste Nährboden für vertiefte Mündigkeit, wohltuende Weisheit und für ansteckende Reife darstellt.
Altersmässig liegen wir beim hohen Alter im Bereich rund um die durchschnittliche Lebenserwartung in der Schweiz. Es ist deshalb der richtige Zeitpunkt, an dieser Stelle zwei Menschen „im hohen Alter“ zu Wort kommen zu lassen.
Dora Rappard schreibt ein Jahr vor ihrem Tod im sehr lesenswerten Buch „Das frohe Alter“: Der Herbst des Lebens hat auch seine Lieder. Dem lauschenden Ohre tönen sie tausendfach entgegen in einzigartiger Harmonie. Die tiefen Mollakkorde, die durch die Seele ziehen wie das Echo eines leisen Miserere, lösen sich wunderbar auf in ein klares, wohltönendes Jubilate und klingen aus in den sanften Himmelsstimmen: Amen! Halleluja!... So fahrt denn hin, ihr lieblichen Blüten des Mai! In der Erinnerung geniessen wir noch dankbar euren süssen Duft. Fahrt hin, ihr goldenen Früchte des Sommers! Noch laben wir uns an eurer Fülle und eurem Wohlgeschmack. Aber wir sehnen euch nicht zurück. Denn das Beste ist uns geblieben, und dass Allerbeste steht uns noch bevor.
Charles Péguy (1873-1914; französischer Schriftstelle) findet für das hohe bzw. „erfüllte Alter“ folgende Worte: Und der Greis, hat er nicht genauso viel Leben vor sich wie das Kind in der Wiege? Wenn nicht mehr. Denn für das Kind in der Wiege ist das ewige Leben – das einzige, das zählt – verdeckt durch dieses elende Leben…Es wird hindurchmüssen… Aber der Greis hat Glück. Weise warf er hinter sich dieses elende Leben, das ihm das ewige Leben verdeckte. Jetzt ist er befreit. Er hat hinter sich geworfen, was vorne war. Er sieht klar. Er ist voll Leben. Zwischen dem Leben und ihm liegt nichts mehr… Er steht am Ufer selbst. Er steht vor der Fülle. Er steht am Ufer des ewigen Lebens.
Unsere Zeit hat kaum Worte und Begriffe für diese innere Welt. Sie kennt und schätzt nur Sichtbares, Zählbares und Messbares, kennt aber wenig Gefühl für Unsichtbares, Unscheinbares und Unaufdringliches. Das Essentielle im Leben ist ein Erfülltsein von zwei Dingen. Es geht zum einen um den Reichtum, den Schatz, die Perle, das Juwel des gelebten Lebens, und es geht zum anderen um die Hoffnung, die Zuversicht und das Vertrauen angesichts des Kommenden.
Vergangenes und Kommendes bilden zusammen ein nahezu grenzenloses Potenzial. Nie hat jemand mehr Vergangenheit, und nie wird alles Kommende so existenziell wie jetzt. Dieses Bessere, dieses Beste, dieses „Allerbestes“ zu sehen ist zunehmend das Schönste und Erstrebenswerteste, das in diesem Lebensabschnitt geschehen darf.
„Alt werden heisst sehend werden.“
(Marie Ebner-Eschenbach, 1830-1916, österreichische Schriftstellerin)
Reflexionsfrage
Wo sind bloss die „Seh-Lehrer“ und die „Seh-Lehrerinnen“?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.