Impulse für den Glauben - elfter Teil - VI
Seit dem 8. Januar 2026 gibt es den neuen Impuls zum Glauben:
«Die Champions League des Lebens – Warum Älterwerden das Beste ist, was uns passieren kann».
Mit dem Buch von Markus Müller (SZM Hänssler-Verlag, ISBN: 978-3-7751-5906-7)
Das „aktive“ oder „zufriedene“ Alter (von 65 bis 75)
Der sogenannte Ruhestand ist da. Neues beginnt. „Ab jetzt wird genossen“, sagt man. Doch der bekannte Autor, ehemalige Soziologieprofessor und Zukunftsforscher Horst Obaschowski relativiert diese Euphorie und formulierte eindeutig: „Arbeit ohne Lust und Freizeit ohne Leistung“: Das „kann der Mensch auf die Dauer nicht aushalten“. Was kennzeichnet diese Altersphase? Ein Merkmal sollte die Weisheit sein. Der verstorbene Papst Franziskus brachte es zwei Tage vor seiner Wahl in sein Amt auf den Punkt: „Alter ist Sitz der Weisheit.“ Wann soll diese erworben werden, wenn nicht jetzt, wo einzigartige und kaum wiederkehrende Freiheiten in Aussicht stehen?
Weisheit ist das Ergebnis „nachdenklicher“ Auseinandersetzung
• mit schönen und notvollen Erlebnissen und Erfahrungen
• die Akzeptanz von Begrenzung
• das Neubewerten von Krisenhaftem
• das Verfügen über Daseinswissen und Kenntnisse von Lebenszusammenhängen
• der schöpferische Umgang mit der eigenen körperlichen, emotionalen und sozialen Verletzlichkeit
• die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit
• das Erkennen von Sinn trotz und in viel scheinbar Unsinnigem
Wie nun aber kommt es zu Weisheit, zu einem „Weisesein“‘? Horst Opaschowski meint dazu: „Bildung, Bildung und noch mal Bildung“. Bildung ist Schlüsselwort dieser Lebensphase. Nur so ist „Weisheit“ zu haben. Bildung meint mehr als Seniorenuniversität und Volkshochschule. Bildung hat mit ein „Schauen“, mit einem „inneren Sehen“, mit den „Augen des Herzens“ zu tun. Es geht um jene Dinge des Lebens, die weder gezählt noch gemessen werden, die der bloss äusseren Rationalität nicht zugänglich sind und die man „nur mit dem Herzen wirklich schauen kann“ (Blaise Pascal und Antoine de Saint-Exupéry).
Spezifischer Trainingsbedarf scheint in diesem Lebensabschnitt vor allem in vier Dimensionen vorzuliegen:
Identität oder „wer bin ich“ – auch ohne Beruf- und Leistungswelt
Wer eigentlich bin ich? Bin ich das, was ich mir selbst erwerbe, erworben habe oder noch zu erwerben gedenke, oder bin ich insgeheim etwas, das ich mir nicht selber erarbeite, sondern mir zusprechen lasse?
Sinn oder wozu eigentlich alles – was erfüllt?
Was eigentlich macht Sinn im Älterwerden? Was macht Sinn, wenn bisher klar ausrichtende berufliche und familiäre Horizonte schwinden? Gibt es ein grösseres Ganzes, das gerade mein Wohlergehen und Glück ausrichtet und mit Sinn erfüllt?
Der äussere Mensch und sein inneres Gegenstück
Vermutlich ist dies keine Unterscheidung, in der die meisten von uns viel Erfahrung haben. Gut ist, wenn wir das Trainingslager nutzen, um ein feines Unterscheidungsvermögen von innerem und äusserem Mensch zu entwickeln. Und noch besser, wenn wir diese Zeit nutzen, um die Liebe zum „Inneren Menschen“ zu entfachen: Dankbarkeit für Vergangenes, Hoffnung und Zuversicht für Kommendes, Vertrauen, Verantwortung und Verantwortungsgefühl, inneres Stehvermögen in Erklärbarem und Unerklärlichem, Versöhnung trotz Widerständen, Liebe wieder alle Lieblosigkeit, Glaube in Unglaublichem.
Als „Älteste“ etwas zu sagen haben – ob so etwas möglich ist?
Ältere Menschen trauen sich selber nichts mehr zu, weder wegweisende Worte noch zukunftsstiftende Botschaften noch tragende Vorgaben. Die Weichen müssen richtig gestellt werden: statt ausschliesslich Genussmodus mit Angstanteilen eine gesunde, zukunftsorientierte, gebildete, weise Nachdenklichkeit.
Reflexionsfrage
Könnte es sein, dass die Sonne auch über gut gemeinten Sätzen eines Tages untergehen wird und die frische Brise nützlich ist, sich nochmals neu den zentralsten Fragen des Lebens auszusetzen?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.