Episoden aus dem Leben #4

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Ein Schreibprojekt unserer Gemeindemitglieder
Episode #4 - I.H. Lebenserinnerung Englandaufenthalt

Englandaufenthalt mit Ferien in der Schweiz

Für ein ganzes Jahr war Südengland mein Zuhause. Geld hatte ich nicht haufenweise und versuchte mit dem, was ich zuvor gespart hatte, durchzukommen. Am gleichen Ort war eine Universität, in der viele Studenten vom Malaysia-Staat Stipendien hatten. Auch in meinem WG-Haus waren Studenten aus verschiedensten Nationen zugegen. Wir hatten es sehr lustig und luden einander zum Essen ein oder unternahmen etwas miteinander. Eine Schwedin hatte z.B. einmal Besuch eines Pfadi-Kollegen und wollte, dass ich als Anstandsdame dabei sei. Wie war ich erstaunt, als der Kronprinz von Schweden erschien. Auch hatten wir mal eine Abschiedsparty eines Ägypters. Er gestand uns, dass er das Double von Omar Sharif in Hollywood werde und darum abreise und sein Studium unterbreche. Eines Tages erzählten drei Studenten aus Indien und Malaysia, sie würden von England nach Italien reisen. Ich fragte: „Könnt ihr auch eine andere Sprache? Englisch wird in Frankreich und Italien nicht von allen gesprochen. Und so werdet ihr über den Tisch gezogen mit zu teurem Essen usw. Nun was meint ihr? Ich komme
mit, wenn ihr mich in die Schweiz bringt und fungiere als Übersetzerin“. Gesagt und getan. Wir fuhren in ihrem kleinen Auto los. Es war lustig und sehr unterhaltsam. Auch meine Verwandtschaft war angetan von diesen Exoten, die natürlich in der Schweiz bei uns eingeladen wurden. Meine Grossmutter, die noch nie so dunkelschwarze Haare gesehen hatte, war überwältigt und fuhr spontan mit der Hand einem Gast ins Haar. Er erstarrte und sah mich mit grossen Augen an. „Grosi was machst Du?“ „Ich konnte nicht glauben, dass die echt sind.“ Zum Glück haben Asiaten sehr grossen Respekt vor dem Alter und es löste Schmunzeln aus, als ich es erklärte.
Auf dem Nachhauseweg hatten wir alle fast kein Geld mehr und verspürten grossen Hunger in Frankreich. Wir steuerten ein Restaurant an und schütteten unser ganzes Geld (Ticketgeld für Fähre ausgenommen) auf den Tisch. Ich fragte den Chef: „Was bekommen wir für das?“ Es gab eine reichhaltige Suppe mit Brot. Meine Freunde sagten, ich hätte sie gerettet und nur schon das sei das Gratis-Mitnehmen Wert gewesen, da sie sonst verhungert wären!


Episode 4 - I.H. Lebenserinnerung Englandaufenthalt

Bereitgestellt: 14.10.2021     Besuche: 22 Monat
 
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