Impulse für den Glauben - zehnter Teil - II
Der Herbst steht bevor und die Tage werden kürzer. Die Stunden, die wir draussen verbringen, werden weniger und für viele Menschen bedeutet dies, mehr einsame Stunden in den eigenen vier Wänden zu verbringen.
Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in den nächsten Wochen mit dem Buch von Stephanie Hecke:
"Die stille Gefährtin – Einsamkeit verstehen und überwinden"
(ISBN 978-3-86334-390-3)
Die Folgen der Einsamkeit
Wenn wir einsam sind, spüren wir, dass etwas in unserem Leben fehlt. Die bittere Konsequenz der Einsamkeit ist, dass man sozial wie emotional auf sich allein gestellt ist und dass chronische Einsamkeit ähnlich schädlich für die Gesundheit sein kann wie Rauchen oder starkes Übergewicht. Sie schwächt das Immunsystem, erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann im schlimmsten Fall sogar das Leben verkürzen. Viele einsame Menschen fragen sich, warum sie keine tiefen Verbindungen, engen Beziehungen aufbauen können. Für viele Menschen ist die Einsamkeit mit Scham verbunden. Wer sich eingesteht, einsam zu sein, hinterfragt sich oder zweifelt gar an sich. Diese Selbstzweifel können die Einsamkeit noch verstärken. Es ist ein Teufelskreis: Je mehr man sich einsam fühlt, desto schwerer fällt es, auf andere zuzugehen. Einsamkeit ist nicht nur individuelles Problem. Sie betrifft uns alle – als Gesellschaft.
Ist einsam, wer allein ist?
Für viele Menschen ist das Alleinsein eine wahre Wohltat. Es kann befreiend wirken, Raum schaffen, um den Kopf freizubekommen, und manchmal sogar neue Perspektiven eröffnen. Alleinsein ist nicht nur notwendig, um körperlich und seelisch zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu tanken – es ist für viele ein kostbares Geschenk, dass inmitten des hektischen Alltags zu oft verloren geht. In der Freiheit des Alleinseins kann die Seele aufatmen. Ein Abendspaziergang im Park. Eine Joggingrunde. Ein Nachmittag mit einem guten Buch auf dem Balkon. Einfach nur sein. Hier zeigt sich: Alleinsein ist nicht gleichbedeutend mit Einsamkeit. Allein zu sein erlaubt uns, in die Tiefe zu gehen. Alleinsein und Einsamkeit: Zwei entscheidende Unterschiede
Der grösste Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit besteht darin, dass wir das Alleinsein freiwillig wählen können, zumindest in den meisten Lebensphasen und zumindest für einige wenige Stunden. Weil es selbst gewählt ist, muss damit auch kein Verlust an Beziehungen oder Gemeinschaft einhergehen. Anders als das Alleinsein ist die Einsamkeit meist kein Zustand, den wir uns selbst aussuchen. Einsamkeit überkommt uns – sie ist ein Gefühl, oft von Angst begleitet, das uns tief im Inneren trifft und uns den Eindruck vermittelt, von der Welt verlassen zu sein. Wer einsam ist, hat zuvor Vertrauen und Gemeinschaft verloren.
Etwas Zweites unterscheidet Alleinsein von Einsamkeit: Das Alleinsein können wir in den meisten Fällen zeitlich regulieren. Und wir können auch entscheiden, wann die Zeit des Alleinseins wieder beendet werden soll.
Reflexionsfrage
Treffen die oben erwähnten Merkmale von Einsamkeit auf mich zu und würde ich mir gegenüber eingestehen, dass ich einsam bin?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.