Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - achter Teil - X

Gebet Bruder Klaus. (Foto: Markus Zogg)

Wir werfen einen Blick ins Leben von Niklaus von der Flüe. In der Kategorie der „Heiligen“ hat er für die Schweiz die wichtigste Bedeutung. Er steht als Symbol für Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ein Thema, das die ganze Welt umtreibt. Und auch in unserem Leben und in unseren Beziehungen nichts an Aktualität verloren hat.
Unter anderem wird folgende Literatur bei der Erarbeitung der „Impulse für den Glauben“ beigezogen:
- Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen», Roland Gröbli, Rex-Verlag, Luzern
- Mystiker, Mittler, Mensch: 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Theologischer Verlag Zürich

Die innere Biografie von Niklaus von Flüe (8)

Die innere Biografie beleuchtet die Wahrnehmung, Bewertung und Einordnung der verschiedenen Lebensereignisse- und Erlebnisse.

Gemäss zuverlässigen Quellen besuchte im Jahr 1479 ein unbekannter «gelehrter Doktor» Bruder Klaus von Flüe und stellte ihm mindestens 7 Fragen.

Frage 5

Welches ist das alleroberste Gebot?
- Die Liebe Gottes.


Das wichtigste Gebot: Liebe!

Im Matthäus-Evangelium Kapitel 22, die Verse 34 bis 40 lesen wir: «In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.»

Jesus zitiert im obigen Abschnitt ein Bibelwort aus dem Alten Testament (5. Mose 6,4f), das in ganz enger Beziehung zu den Zehn Geboten steht. Die Pharisäer stellen Jesus Fragen, um ihn als Verräter darstellen zu können. Wie hinterhältig! Jesus hätte jetzt die zehn Gebote benennen können (Exodus 20, 2-17). Stattdessen fasst er diese Gebote mit einem Wort zusammen: Liebe! Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Diese drei hängen untrennbar zusammen. Es kann keine Gottesliebe geben, die den Nächsten außer Acht lässt. Gleichzeitig ist es wichtig, auch auf sich selbst zu achten – und das hat nichts mit Egoismus zu tun. Jesus greift in seiner Lehre auf Altbekanntes zurück, deutet es aber ganz neu. Gottes Wort hat eine bleibende Gültigkeit, doch es gilt, seinen Inhalt stets neu zu entdecken.

Die Kunst liegt darin, ein gutes Maß der Liebe zu finden: den eigenen Standpunkt innerhalb des Dreiecks von Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe immer wieder im Blick zu behalten und, falls nötig, neu zu bedenken.

Für Bruder Klaus ist der Mensch aufgefordert, aktiv seinen Beitrag zu leisten. Er muss in der Wahrheit bleiben und seine Zeit in der Liebe Gottes verbringen, damit ihm jederzeit wohl geschieht. Der Mensch muss offen und frei für den göttlichen Willen werden, damit Wahrheit und die Liebe Gottes in ihm wirksam werden können. Das oberste Gebot zu befolgen hiesse deshalb, Gott mit ganzem Herzen zu lieben.

Wer liebt, wird sich seiner eigenen Unzulänglichkeit bewusst. Er begibt sich freiwillig in die Abhängigkeit des oder der Geliebten. Wer bereit ist, sein Leben zu (ver-)schenken, unterwirft sich, opfert sich. Es tut nichts weher, denn sich selber überwinden, es tut aber nichts besser, denn sich selbst überwunden zu haben.

Das nicht jedes Gebot denselben Stellenwert hat, ist sicher richtig. Man braucht aber nicht darüber zu grübeln, welches Gebot besonders wichtig sei, sondern es geht darum, Liebe zu leben. Wer das tut, tut das Richtige!

Fragen zum Nachdenken:
- Was tue ich zum Wohl anderer Menschen?
- In welcher Hinsicht kann ich den Willen Gottes in meinem Leben erfüllen?
- Was tue ich zum Wohl von mir selber?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 13.03.2025