Impulse für den Glauben - XX

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Nachdem wir uns im Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ mit dem jüngeren und dem älteren Sohn auseinandergesetzt haben, betrachten wir in den kommenden Wochen die Sicht des Vaters.
Das Gemälde „Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes“ ist eines der letzten Bilder Rembrandts. Er malte es erst nach einem Leben voller Leid. Es geht im Bild zuerst und zuletzt um den menschlichen Ausdruck von göttlichem Erbarmen. Man könnte das Gleichnis auch „Gleichnis von der Liebe des Vaters“ bezeichnen. Wir sehen einen halbblinden alten Mann, der ein goldbesticktes Gewand und einen tiefroten Umhang trägt. Seine grossen steifen Hände liegen auf den Schultern des heimkehrenden Sohnes. Wir sehen auch bedingungsloses Erbarmen, unendliche Liebe, immerwährende Vergebung. Alles göttliche Wirklichkeiten. Darin liegt Rembrandts Genie. Es ist von besonderer Bedeutung, dass Rembrandt einen fast erblindeten alten Mann wählte, um Gottes Liebe mitzuteilen. Rembrandt zeigte immer ein grosses Interesse an älteren Menschen. Er war fasziniert von ihrer inneren Schönheit. Nach seinen vielen Schicksalsschlägen in Familie und Beruf bewegte sich sein Leben auf die Schatten des Alters zu. Sein Erfolg nahm ab und der äussere Glanz seines Lebens schwand. Er kam mit der unermesslichen Schönheit des inneren Lebens in engere Berührung und entdeckte das Licht, das aus einem unsterblichen inneren Feuer kommt, dem Feuer der Liebe. Das Herz des Vaters ist von einer unendlichen Sehnsucht entbrannt, seine Kinder heimzubringen. Es ist Gott selber, der seine Arme in gnadenvollem Segen ausstreckt, sich niemals aufdrängt, immer wartet, seine Arme niemals in Verzweiflung fallen lässt und immer hofft, dass seine Kinder heimkehren. Sein einziger Wunsch ist es zu segnen. Im Lateinischen heisst segnen benedicere. Das bedeutet wörtlich: Gutes sagen. Der Vater will mehr durch seine Berührung als durch seine Stimme seinen Kindern Gutes sagen.

Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XX
Bereitgestellt: 28.07.2022     Besuche: 21 Monat
 
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