Impulse für den Glauben - XVII

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Gott ist da. Gottes Licht ist da. Gottes Vergebung ist da. Gottes grenzenlose Liebe ist da. Die Liebe des Vaters zwingt nicht. ER will uns von unserer ganzen inneren Finsternis heilen. Wir sind aber frei, unsere eigene Wahl zu treffen, ob wir im Dunkel bleiben oder in das Licht der Liebe Gottes eintreten wollen.
Wenn Jesus das Gleichnis vom Verlorenen Sohn erzählt, müssen wir es aus der Perspektive derer hören, die ihn zu dieser Geschichte veranlasst haben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten sagten: „Der gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.“ Ja, so ist es. Das sind gute Nachrichten für uns und alle Menschen auf dieser Welt. Mit unserer Widerspenstigkeit und unserem selbstgerechten Klagen dürfen wir zu Gott kommen. Er gibt sich mit uns ab. Wir sind eingeladen zum Abendmahl, an den Tisch des HERRN. Jesus selbst lädt uns ein, mit unserem Ballast zu ihm zu kommen. Er ist da, wenn wir uns aufmachen zum Abendmahlstisch. Und doch beschäftigt uns immer wieder die Frage: Gibt es für mich überhaupt irgendeine Chance, zum Vater zurückzukehren und mich in seinem Haus willkommen zu fühlen? Ja, diese gibt es. Im Gleichnis sagt der Vater zum älteren Sohn: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein.“ Diese uneingeschränkte Liebe des Vaters könnte nicht deutlicher ausgesprochen werden. „Mein Kind“, möchte Gott auch zu uns sagen. Und doch hindert uns immer wieder etwas daran, Gottes uneingeschränkte Liebe anzunehmen und zu verinnerlichen. Weshalb? Das ist so schade. Es könnte sein, dass Gott uns folgende Fragen stellen möchte: Was hindert dich daran, meiner Liebe zu vertrauen? Wo haderst du mit deinem Leben und bist mit dir selber nicht im Reinen? Henri Nouwen schreibt: „Ich kann mir nicht selbst vergeben. Ich kann mir nicht selbst das Gefühl geben, geliebt zu sein. Aus mir selbst kann ich das Land meiner Bitterkeit nicht verlassen. Ich kann mich nicht selbst nach Hause bringen… Ich kann es ersehnen, es erhoffen, darauf warten, ja dafür beten. Aber meine wahre Freiheit kann ich nicht aus mir selbst hervorbringen. Das muss mir gegeben werden. Ich bin verloren. Ich muss gefunden werden und nach Hause gebracht werden von jenem Hirten, der zu mir hinausgeht.“ Es kann sein, dass man mit diesen Sätzen nicht einverstanden ist und sich selber nicht so klein sieht. Es geht nicht darum, dass Gott uns nichts zutraut. Die Tatsache ist aber, dass wir in unseren Mustern festsitzen und merken, dass wir nicht vorwärtskommen. Wir wünschen uns zwar, dass es anders wäre, aber die Realität holt uns immer wieder von Neuem ein. Wenn es uns so ergeht, brauchen wir dringend die Hilfe von Gott, der uns aus diesem Dilemma herausholen und uns in eine neue Freiheit stellen kann.

Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XVII
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