Impulse für den Glauben - XVI

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Auch der ältere Sohn war verloren. Es fällt uns vielleicht schwer, zuzugeben, dass dieser düstere, verärgerte, verbitterte Mann uns geistlich gesehen näherstehen könnte als sein jüngerer leichtlebiger Bruder. Es liegt aber in der Natur des Menschen immer wieder von einem seltsamen Gefühl überfallen zu werden: „Ich genüge irgendwie nicht. Ich bin bedeutungslos. Ich muss mich mehr anstrengen, damit ich meine Mitmenschen zufriedenstelle und nicht enttäusche. Ich habe viel verpasst im Leben.“ Dieses Gefühl von Verlorensein ist für das menschliche Herz ein grosser Schaden und ein Verderben. Es stellt sich die Frage, was grösseren Schaden anrichtet, die Gier (der jüngere Sohn) oder der Groll (der ältere Sohn). Je mehr Jammern, Stöhnen, Schimpfen, Nörgeln, Sich-Bemitleiden wir in unserem Leben zulassen, desto mehr Gründe zum Klagen finden wir. Und desto mehr Freudlosigkeit macht sich in unserem Leben breit. Im Lukas-Evangelium 15, 25-28 steht: „Der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was da wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen… Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen…“ Freude und Verbitterung kann es nicht zusammengeben. Wie ging es mit dem älteren Sohn weiter? Liess er sich von seinem Vater überreden und ging schliesslich doch ins Haus hinein? Umarmte er seinen Bruder und hiess in willkommen, wie es der Vater getan hatte? Weder das Bild Rembrandts noch das Gleichnis, das auf ihm dargestellt ist, sagt uns etwas über eine Bereitwilligkeit des älteren Sohnes, sich selbst finden zu lassen. Ist er bereit zu bekennen, dass auch er ein Sünder ist und der Vergebung bedarf? Was wir mit unerschütterlicher Sicherheit wissen, ist, wie das Herz des Vaters ist: ein Herz von grenzenlosem Erbarmen. In diesem Wissen dürfen wir uns an die folgenden Fragen heranwagen und sie beantworten:
- Gibt es in meine Leben Verbitterung? Woher kommt diese Verbitterung?
- Empfinde ich Trauer darüber, dass ich ihm Leben etwas verpasst habe und merke, dass ich es nicht mehr tun kann?
- Habe ich mich jemandem gegenüber versündigt? Bin ich bereit, den Weg der Versöhnung zu gehen?
- Glaube ich, dass ich nur von oben geheilt werden kann, von wo aus Gott eingreift?
- Glaube ich, dass für Gott alles möglich ist?
Ich ermutige Sie, ein einfaches Gebet zu formulieren und dieses aufzuschreiben. Bitten Sie Gott, dass er Ihnen hilft frei zu werden und fortan ein Leben in Zufriedenheit, Genugtuung und Freude zu erleben.

Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XVI
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