Impulse für den Glauben - XIV

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Nun richten wir unseren Blick in den nächsten Wochen vermehrt auf den älteren Sohn, der Zuhause beim Vater geblieben ist. Als der jüngere Sohn heimkehrte, weilte der ältere Sohn noch auf dem Feld. Gemäss dem biblischen Bericht war der ältere Sohn nicht anwesend, als der Vater den jüngeren Sohn umarmte (siehe Lukas 15, 25-32). Henri Nouwen ist aber der Meinung, dass Rembrandt auf seinem Werk dennoch den älteren Sohn gemalt hatte, weil dieser zu dessen eigener Lebenserfahrung gehört. Rembrandt war nicht nur ein Suchender nach tiefer Wahrheit, sondern von vielen Biographen wird er auch als Querulant bezeichnet, der oft egoistisch, arrogant und sogar rachsüchtig handelte. Der ältere Sohn muss der Mann am rechten Bildrand sein, der einen kühlen und düsteren Blick hat. Er schaut auf den Vater, aber ohne Freude, obwohl die beiden Gemeinsamkeiten haben: der Bart und der grosse rote Umhang. Der Vater und sein älterer Sohn sind durch einen weiten offenen Raum getrennt, der eine Spannung schafft, die nach Lösung verlangt. Die Umarmung (der jüngere Sohn) auf der einen Seite und die ausstehende Antwort auf die Liebe des Vaters (der ältere Sohn) auf der anderen Seite zeigen das innere Drama der Seele, die Zerrissenheit. Der Vater beugt sich über seinen heimkehrenden Sohn und der ältere Sohn steht steif und starr da. Diese Haltung wird noch durch den Stab betont, der von seiner rechten Hand zum Boden geht. Als Rembrandt das Gemälde malte, hatte er ein Leben hinter sich, in dem ihm das Verlorensein beider Söhne nicht fremdgeblieben waren. Beide bedurften der Heilung und Vergebung durch den vergebenden Vater. Für uns geht es heute auch darum, eine persönliche Entscheidung für das Leben zu treffen, trotz vielleicht widrigen Umständen. Und auch eine Entscheidung für die Kernbotschaft des Evangeliums.
  • Welchen Eindruck hinterlässt der ältere Sohn bei mir, wenn ich den Bibeltext im Lukas-Evangelium Kapitel 15 die Verse 15-32 durchlese?
  • Falls es wirklich stimmt, dass Rembrandt auch den älteren Sohn willentlich auf sein Gemälde malte: Weshalb tat er das? Was könnte ihm dabei wichtig gewesen sein?
  • Rembrandt war ein Suchender nach tiefer Wahrheit. An welchem Punkt in meinem Leben stehe ich in der Suche nach tiefer Wahrheit? Bin ich fündig geworden?
  • Wo in meinem Leben habe ich Heilung und Vergebung erfahren? Und wo bin ich jemandem noch Vergebung schuldig?



Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XIV
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