Impulse für den Glauben - XIII

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
An dieser Stelle ist ein Exkurs zum Thema «Beichte» sinnvoll.

BEICHTE
Häufig erleben Menschen die Konsequenzen ihrer Handlungen als Belastung, sei es in Beziehungen, in der Familie oder im Leben in der Gesellschaft. Oft tun Menschen Dinge, die sie im Nachhinein bereuen. In der Stille, im Gebet oder mit Worten bedenken oder sprechen Christen aus, was sie belastet, womit sie schuldig geworden sind oder was sie anderen schuldig geblieben sind. Die Beichte zielt in erster Linie nicht darauf, ein Fehlverhalten aufzudecken, sondern Gottes Nähe, Erbarmen und Vergebung erfahrbar zu machen. Darüber hinaus gibt die Beichte die Möglichkeit, sich selbst wieder anzunehmen. Jede Christin und jeder Christ kann ortsunabhängig Vergebung zusprechen, im Vertrauen darauf, dass Gott gnädig ist und jeden Menschen immer wieder annimmt, sofern er/sie dies möchte und nach Gott sucht.

- Jakobusbrief 5,16: «Bekennt einer dem andern seine Sünden.»
- Johannes-Evangelium 20,23: «Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben, welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.»


Martin Luther, der Reformator, hielt ausdrücklich an der Beichte als wirksamer Möglichkeit zur Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen fest. Er war der Meinung, dass die regelmässige Beichte deswegen wichtig sei, weil der Mensch gar nicht in der Lage sei, sich all seinen Sünden bewusst zu werden, um sie zu bereuen; auch nicht durch Taten der Genugtuung könne er sich davon befreien, da er allein auf die Gnade Gottes angewiesen sei.
Es sind drei Formen der Beichte möglich. Bei der inneren Beichte nehmen Christinnen und Christen in der Stille und im Gebet ihre eigene Schuld wahr. Sie bekennen Gott ihre Schuld. Durch die Gewissheit der Liebe Gottes dürfen sie darauf vertrauen, dass Gott sie von ihrer Schuld befreit und lossagt. Bei der Einzelbeichte spricht der Beichtende in einem seelsorgerlichen Gespräch mit einer Vertrauensperson über die erkannte Schuld und erfährt durch den persönlichen Zuspruch Vergebung. Die allgemeine Beichte findet an besonderen Tagen im Kirchenjahr (z.B. Dank- Buss und Bettag; in der Passionszeit) oder an normalen Sonntagsgottesdiensten beim Abendmahl statt. Auch im Vaterunser-Gebet ist die Beichte enthalten «… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern».
Fazit: Lasst uns die Beichte im evangelischen Sinne pflegen. Haben wir Mut zum Bekenntnis und Vertrauen zueinander, dass wir es miteinander gut meinen. Die Vergebung Gottes hilft uns nun selber Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen, zu unseren Taten zu stehen und nach Möglichkeiten suchen unser gestörtes Verhältnis zu unseren Mitmenschen wieder in Ordnung zu bringen. Mit dem gesprochenen Vaterunser-Gebet stehen wir in der Verantwortung gegenüber Gott und nun andere um Verzeihung zu bitten, Versöhnung anzubieten und Wiedergutmachung zu leisten, soweit dies möglich ist. Zu einem verantwortlichen Verhalten gehört auch der Wille, das, womit wir Schuld auf uns geladen haben, nicht wieder zu tun.
Quellen:
  • www.ekd.de/beichte
  • www.evangelisch.de
  • Evangelisches Gesangbuch (EG)


Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XIII
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