Impulse für den Glauben - XII

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Im Lukasevangelium Kapitel 15 Vers 20-21 steht: „Er machte sich auf den Weg und ging zurück zum Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel im um den Hals und küsste ihn. „Vater“, sagte der Sohn, „ich bin schuldig geworden an Gott und an dir…“
Das ist Beichte. Lasst uns dieses Mal einen kurzen Exkurs zum Thema „Beichte“ machen:
Der Begriff „Beichte“ wird meistens mit der katholischen Kirche und dem mittelalterlichen Ablasshandel in Verbindung gebracht. Aber die Beichte selbst hat auch bei uns Reformierten eine Bedeutung. Denn das Bekenntnis von Sünde und Schuld und die zugesprochene Vergebung Gottes gehört zum Kern des christlichen Glaubens. Biblisch begründet wird die Beichte im Neuen Testament durch die Zusage Jesu an seine Jünger „Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, so sind sie ihm vergeben (Johannes-Evangelium, Kap. 20, Vers 23).“ Der Begriff „Sünde“ lässt sich ableiten von „sondern“, „Absonderung“. Damit ist die Absonderung von Gott gemeint. Somit ist der Begriff weniger ein moralischer als vielmehr ein religiöser. Sünde meint also das menschliche Handeln ohne bzw. gegen Gott und seine Gebote.
Selbst der Gründervater der evangelischen Kirche, der Reformator Martin Luther, hat gebeichtet. Er hat allerdings auch ein neues Verständnis von der Beichte geprägt, das in der evangelischen Kirche bis heute Bestand hat. Die katholische Beichtpraxis hat Luther kritisiert, weil er meinte, dass der Mensch gar nicht in der Lage sei, sich all seiner Sünden bewusst zu werden, um sie zu bereuen; auch nicht durch Taten der Genugtuung. Der Mensch sei allein auf die Gnade Gottes angewiesen. Nach lutherischem Verständnis gibt es keinen Zwang oder Pflicht zur Beichte: Das Bekenntnis von Sünde, Schuld und Scheitern sollte immer freiwillig erfolgen. Der Mensch kann sich Sündenvergebung nicht durch eigene gute Taten „erkaufen“. Dennoch hielt Martin Luther ausdrücklich an der Beichte als wirksamer Möglichkeit zur Versöhnung mit Gott und den Menschen fest.
Häufig erleben Menschen die Konsequenzen ihrer Handlungen als Belastung, sei es in Beziehungen, in der Familie oder im Leben in der Gesellschaft. Oft tun Menschen Dinge, die sie im Nachhinein bereuen. Bei der Beichte bekennen Menschen, dass sie schuldig geworden sind. Ihnen wird dann die Vergebung Gottes zugesprochen. Am Ende der Beichte steht der Zuspruch der Vergebung Gottes. Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass Gott ihnen gnädig ist. Sie glauben, dass Gott Menschen immer wieder als seine geliebten Kinder annimmt, wenn sie es wollen und nach ihm suchen. Das macht die eigene Schuld nicht kleiner, ermöglicht aber einen neuen Anfang im Leben.
  • Wie stehe ich zum Thema «Beichte»? Finde ich, dass die «Beichte» auch in der evangelischen Kirche praktiziert werden soll?
  • Wie könnte ein Angebot zur Beichte in unserer evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Brunnen-Schwyz aussehen?


Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XII
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