Impulse für den Glauben - XI

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Henri Nouwen schreibt: „Kind Gottes werden heisst die Seligpreisungen leben und so die enge Pforte ins Himmelreich finden.“ Ich verstehe diese Aussage so: Die Seligpreisungen sind Worte von Jesus Christus, die er an seine interessierten Leute richtet. Daraus kann man schliessen, dass der Weg ins Himmelreich (also zu Gott) über Jesus führt. Nicht wenige Leute ärgern sich über diesen Absolutheitsanspruch, was verständlich ist. Es wird damit aber nicht behauptet, dass man „Gott“ ohne Jesus nicht erkennen kann. Es wird auch nicht behauptet, dass jeder Mensch böse ist, der nicht Christ ist. Dank dem Osterereignis ist es möglich, Gott als Vater kennenzulernen, als persönliches, liebevolles, aufmerksames, verantwortliches, fürsorgendes und mitteilendes Gegenüber, und zwar jetzt und für immer, über den Tod hinaus. Beim Gemälde „Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes“ wird das Geheimnis berührt, dass Jesus um unsertwillen selbst der Verlorene Sohn wurde. Am Kreuz von Golgatha durchlebte Jesus die absolute Gottverlassenheit. Es heisst im Lukas-Evangelium Kapitel 15 Vers 34: Gegen drei Uhr rief Jesus laut: „Eli, Eli, lema sabachtani?“ Das heisst übersetzt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der im Gemälde vom Vater umarmte junge Mann ist dann mehr irgendein reumütiger Sünder, sondern die ganze Menschheit, die zu Gott zurückkehrt. Henri Nouwen schreibt: „Der gebrochene Leib des Verlorenen Sohnes wird zum gebrochenen Leib der Menschheit; das Gesicht des zurückkehrenden Kindes wird zum Gesicht aller leidenden Menschen, die sich danach sehnen, wieder in das verlorene Paradies einzugehen.“ Das Bild von Rembrandt wird somit auch zu einer Summe der Geschichte unseres Heils. Das Licht, das beide umgibt, Vater und Sohn, spricht jetzt von der Herrlichkeit, die die Kinder Gottes erwartet.
  • Welche Meinung habe ich zu Henri Nouwen’s Aussage: „Kind Gottes werden heisst die Seligpreisungen leben und so die enge Pforte ins Himmelreich finden.“?
  • Ist die Parallele vom „Verlorenen Sohn“ zu Jesus legitim?
  • Wie deute ich die Seligpreisungen?
  • Wie kann es sein, dass Jesus als Sohn Gottes die vollkommene Gottverlassenheit erlebt hatte? Wann habe ich mich das letzte Mal „gottverlassen“ gefühlt?
  • Welche Herrlichkeit erwartet die Kinder Gottes? Wie könnte die aussehen?


Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XI
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