Impulse für den Glauben - IX

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Die Hände des Vaters scheinen immer schon ausgestreckt gewesen zu sein. Selbst dann, wenn keine Schultern da waren, auf denen sie ruhen konnten. Gott hat seine Arme von uns Menschen nie zurückgenommen, obwohl es genug Gründe dafür geben würde. Wir werden von Gott so sehr geliebt, dass es uns freisteht, von „Zuhause“ wegzugehen. Im 1. Korintherbrief Kapitel 10 Vers 23 steht: „Alles ist erlaubt, sagt ihr. Mag sein, aber nicht alles ist deshalb auch hilfreich.“
Der Anblick des zurückgekehrten Sohnes ist eindeutig. Wenn einem Menschen die Haare abgeschnitten werden, wird ihm ein Merkmal seiner Individualität geraubt. Weg ist nicht nur die Lockenpracht, sondern auch sein Geld, sein gutes Aussehen, seine Ehre, seine Selbstachtung, sein Ruf. In der perfektionistisch tickenden Schweiz ist es um das Thema Fehlerkultur nicht allzu gut bestellt. Fehler werden entweder tabuisiert (man spricht nicht darüber) oder dann gnadenlos sanktioniert (bestraft). Das Gegenteil ist ein konstruktiver Umgang mit Fehlern, der auf dem Grundverständnis basiert, dass Fehler nutzbringend für das Vorankommen und die Weiterentwicklung sind, sowohl als Einzelperson, als auch in Beziehungen am Arbeitsplatz, in der Familie oder in der Kirchgemeinde. In der Bibel finden wir im Buch 1. Samuel Kapitel 11 die Geschichte von König David. Es ist eine Geschichte der falschen Entscheidungen, des Scheiterns und des Wiederaufstehens. Daraus können wir 3 Dinge lernen:
1) Wenn ich vor einem Menschen ausspreche, was ich falsch gedacht, gesagt oder getan habe, nehme ich dem Fehler die Macht.
2) Weil ich meine Fehlerlosigkeit nicht selbst wiederherstellen kann, komme ich mit Gott ins Gespräch.
3) Auch wenn Gott meine Schuld vergibt, ist damit das Geschehene nicht ungeschehen gemacht. Gott kann mir zeigen, welche Konsequenzen ich tragen muss, damit ich befreit weiterleben kann.
  • Welche Fehlerkultur wurde/wird in meiner Familie gepflegt?
  • Welche Fehler sind mir im Leben passiert?
  • Wie habe ich mich daraufhin verhalten? (Schuld verleugnen, auf andere schieben, schweigen, vertuschen, Notlügen, oder bekennen und Wiedergutmachung)
  • Wie hat mein Umfeld auf meine Fehler reagiert?
  • Gibt es aktuell etwas, das mich z.B. in zwischenmenschlicher Hinsicht belastet? Was ist es? Und wann und wie bringe ich es in Ordnung?
  • Glaube ich, dass die Worte aus dem Buch des Propheten Micha im Kapitel 7 Vers 19 auch für mich gelten: „Ja, der Herr wird wieder Erbarmen mit uns haben und unsere Schuld auslöschen. Er wirft alle unsere Sünden ins tiefste Meer.“



Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - IX
Bereitgestellt: 12.05.2022     Besuche: 24 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch