Episoden aus dem Leben #17

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Ein Schreibprojekt unserer Gemeindemitglieder
Autor L.G. - Der christliche Glaube erreicht unsere Familie

Vater war wieder einmal im Spital und fragte einen Pfleger, was er ihm raten würde. Dieser antwortete: „Blicken Sie auf Jesus Christus. ER allein kann ihnen noch helfen.“ Vater suchte den Frieden mit Gott und sagte, er würde daheim auch mit in den Gottesdienst kommen. Während eines Jahres fand meine ganze Familie zum Glauben an Gott. Nun gab es einige Veränderungen. Vater konnte durch seine Krankheit nicht mehr in den Vereinen mitmachen. Das Theater war ihm schon lange eine Last geworden. Er sagte: „Ich habe oft gebetet: Herr, schenk, dass es kein Theater mehr gibt, wenn die Kinder gross sind.“ Wie oft war Mama allein, denn dieses Hobby hatte ihm Zeit gekostet. Weil Vater zum Glauben an Gott gefunden hatte, fand er als Bauunternehmer keine Arbeit mehr. Er wurde boykottiert. So suchte er auswärts nach möglichen Kunden und Gott war mit ihm. Für mich galt es nun auch noch Englisch zu lernen. Als Verkäuferin sollte man diese Sprache auch beherrschen. Nach dem Abschlussexamen kam ich als Au-Pair-Mädchen nach St. Albans, einer Stadt im Süden Englands, ungefähr 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Londons. Da gab es einiges zu verkraften. Ich musste allein in der Küche essen. Es war ein Herrenhaus. Im Gottesdienst galt es eine Kopfbedeckung zu tragen. Für mich war es schwer. Als ich mal zum Coiffeur ging, meinte dieser: «So, jetzt haben Sie Ihre Ehre abgeschnitten.» Zurück in der Schweiz habe ich trotz den religiös einengenden Erfahrungen, die ich in England gemacht habe, eine theologische Ausbildung begonnen. Ich wollte im Glauben an Gott Fortschritte machen. Welch ein Erlebnis, wenn man jeden Tag das Wort Gottes, die Bibel, studieren kann. Im Studentenhaus gab es Regeln, die es einzuhalten galt. Eine davon war, dass während der Ausbildung keine Bekanntschaft geknüpft werden durfte. Für viele schwer einzuhalten. Die Leiterin meinte: «Ich muss meine Mädchen schützen.» Die Jungen leisteten schwere Arbeit, die Mädchen putzen. So gab es automatisch Kontaktmöglichkeiten. Da war Fred. Er hatte sich mit dem Brotmesser eine Verletzung zugezogen. Ihm wurde eine andere Arbeit zugeteilt. Im Speisesaal musste er mit den Füssen den Boden mit Stahlspänen reinigen. Nun musste jemand den Staub aufwischen. Für diese Arbeit wurde ich eingesetzt. Dort lernte ich also Fred kennen. Ich war total verliebt, durfte aber nichts sagen und mir nichts anmerken lassen. Es gab immer wieder Situationen, wo wir zusammenarbeiten mussten. Kurz vor dem Examen fragte Fred um Erlaubnis mit mir reden zu dürfen. «Nehmt aber einen Tisch dazwischen», war der Rat der zuständigen Person. Wir haben den Rat aber nicht befolgt. Stattdessen gingen wir hinter der Kirche zum Bachbett hinunter und konnten dort zum ersten Mal so richtig miteinander reden. Wir merkten nicht, dass eine Mitschülerin uns nachgeschlichen war. Die Neuigkeit verbreitete sich schnell. Als wir zurückkamen sagte mir jemand in der Küche: «So, hat es geklappt?»
Ohne es vom anderen zu wissen, dachte Fred und ich unabhängig voneinander, später mal im Ausland für Gott tätig zu sein und bewarben uns bei der Sudan-Mission. Wir wurden provisorisch aufgenommen mit den Bedingungen, tropentauglich zu sein, das Französischdiplom zu haben und mit dem Ausreisegeld versorgt zu sein. Wir waren das einzige Paar, welches sich während der Ausbildung das Ja-Wort gegeben hatte. Die Ausreisebedingungen konnten wir erfüllen und unseren Missionsplänen stand nichts mehr im Weg. Oder doch? Mein Bruder hatte unser Gepäck in kleine Einheiten zu maximal 35 Kilogramm zusammengestellt und die Holzkisten gehobelt und verschraubt. Aber etwas fehlte noch… Unsere Reisedokumente nach Übersee. Trotzdem sind wir mit unserem VW-Käfer nach Frankreich losgefahren. Ziel war Marseille, die Millionenstadt im Süden Frankreichs. Dort ist das Institut Biblique, wo wir Halt machten. Und tatsächlich, auf den letztmöglichen Zeitpunkt, bekamen wir unsere Reisedokumente. Unsere Reise konnte losgehen. In Marseille verabschiedeten wir uns von Familie und Freunden und stiegen ohne jegliche Kenntnisse von Missiologie auf das Schiff namens «General Foch» (1). Unser Ziel war das Land Tschad. Landaufenthalte machten wir z.B. in Benin und Algier. Wir gingen dort in arabische Quartiere und haben den Leuten das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus erzählt. Bis uns jemand sagte, dass dies lebensgefährlich sei. Bald einmal merkten wir, dass das Evangelium nicht überall willkommen ist.

(1) Das Schiff geht zurück auf den französischen General Ferdinand Foch, geb. 1851, gest. 1929, einem aggressiven und rücksichtslosen Militärkommandanten, und späteren Oberbefehlshaber der Alliierten.



Episode 17 - L.G. Der christliche Glaube erreicht unsere Familie

Bereitgestellt: 14.04.2022     Besuche: 48 Monat
 
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