Impulse für den Glauben - Einführung

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
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Als Christen sind wir darauf angewiesen, dass wir immer wieder neue Impulse für unseren Glauben erhalten. Einerseits geschieht das in der Bibellektüre, in Gesprächskreisen, durch die sonntägliche Predigt. Andererseits können wir auch durch Literatur in unserem Glauben weiterkommen. Die „Geistlichen Impulse“ erscheinen wöchentlich am Donnerstag. Interessierte melden sich bei Sozialdiakon Markus Zogg.


Zunächst beschäftigen wir uns mit dem Buch „Nimm sein Bild in dein Herz“. Henri Nouwen (1932-1996) deutet darin das Gemälde „Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes“ von Rembrandt.
[Herder, ISBN: 987-3-451-22404-1]

In der Mitte dieser Begegnung mit diesem Gemälde stehen ein Maler mit seinem Bild aus dem 17. Jahrhundert, ein Gleichnis aus dem 1. Jahrhundert und ein Mensch des 20. Jahrhunderts mit seiner Suche nach dem Sinn des Lebens (Henri Nouwen).

Die Geschichte begann im Herbst 1983 in dem französischen Städtchen Trosly. Henri Nouwen, Professor für Psychologie und Pastoraltheologie an mehreren Universitäten in den USA, verbrachte einige Monate in einer Gemeinschaft namens „Arche“, die geistig Behinderten ein Zuhause bietet. Eines Tages besuchte er eine gute Bekannte, die in dieser Gemeinschaft arbeitete. Während sie sprachen, fiel sein Blick auf ein grosses Poster, das bei ihr an der Bürotür hing. Er sah darin einen Mann in einem grossen roten Umhang; zärtlich umfasste er die Schultern eines heruntergekommenen jungen Mannes, der vor ihm kniete. Er konnte seinen Blick nicht von dem Bild abwenden. Unwiderstehlich fühlte er sich von der innigen Beziehung zwischen den beiden Gestalten angezogen: die warme rote Farbe des Umhangs des Alten, das goldene Gelb der Kleidung des Jungen und das geheimnisvolle Licht, das beide einhüllte. Vor allem aber waren es die Hände, die Hände des alten Mannes, und die Art und Weise, wie sie auf den Schultern des Jungen lagen. Das traf Henri Nouwen an einer Stelle, an der er niemals zuvor getroffen worden war. Er sehnte sich nach einem bleibenden Zuhause. Er verbrachte ein ganzes Jahr in einer der Arche-Gemeinschaften, um herauszufinden, ob er zu einem Leben mit behinderten Menschen berufen sei oder nicht. Nach kurzer Zeit war es für ihn klar. Der Wechsel von der Lehrtätigkeit bei Universitätsstudenten zu einem Leben mit geistig Behinderten bedeutete für ihn, einen Schritt auf jene Ebene, wo der Vater seinen knienden Sohn umarmt. Jedes Mal, wenn er von den Bewohnern begrüsst oder angelächelt wurde, deren Hand schüttelte oder sie lachen oder schweigen sah, versuchte er eine „Erklärung“ für diese Gesten zu suchen. Als Psychologe versuchte er sorgfältig auf menschliche Erfahrungen wie Einsamkeit und Liebe, Trauer und Glück, Verärgerung und Dankbarkeit zu achten. Er wollte die Tiefen der menschlichen Seele erforschen. Nun musste er lernen, diese Botschaften einfach anzunehmen, auf diese Ebene zu treten und näherzukommen. Als Universitätsprofessor musste er immer Herr der Lage sein. Hier konnte er einfach Mensch sein. Es gelang ihm schrittweise zu diesem neuen Blick durchzudringen. Er verliess das „ferne Land“ und spürte, dass er der Liebe nähergekommen war. Gott selbst zeigte ihm den Weg. Nouwen stellt drei wesentliche Beziehungen her. Er versteht sich nicht nur als der jüngere Sohn, sondern auch als der ältere Sohn und dann erkennt er es auch als seine Aufgabe, wie der Vater zu werden. Diese Erfahrung regt zu einer Tiefe der Selbsterkenntnis an, die läuternd und befreiend wirkt.

Impulse für den Glauben - Einführung
Bereitgestellt: 10.03.2022     Besuche: 42 Monat
 
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