Episoden aus dem Leben #10

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Ein Schreibprojekt unserer Gemeindemitglieder
Autor G.S. - Tagebucheintrag 5.9.1964 einer 17 jährigen

Meine Eltern und ich besuchten die Landesausstellung in Lausanne einen einzigen Tag und hatten alles gesehen. In Genf bei einem Schulfreund Papis haben wir übernachtet. Ach, schön die Gegend, aber die Leute haben einen ganz anderen Schlag. (Was ich wohl damit gemeint haben könnte?) Die Expo 64 war sehr modern und fortschrittlich, ein wenig übertrieben für unser kleines Ländchen das bekannt ist für Kühe, Käse und Schoggi so mein Tagebucheintrag.
Was habe ich sonst noch für genug wichtig empfunden zum Aufbewahren damals? Dem Tagebuch beigelegt ist; Ein offizieller Führer, eine Postkarte, 2 Papierservietten der Migros Snack-Bar „Au Rendez-vous“ mit der handgeschriebenen Notiz darauf: Das Essen war teuer. Auch das ist Geschäft. Das Expo-Bus Ticket von Pfander SA. Auch das mit Bemerkung: Geschäft ist es eben doch. (Was ist das nur für ein materielles Denken!!)
Nun aber noch der absolute Hit. Der ausgefüllte Original Fragebogen von Gulliver bei der Schweizern. Für Leser, die nicht wissen, wer Gulliver war. Nämlich eine elektronische Anlage, die mit Antworten gefüttert wurde. Die Fragen lauteten z.B.: Kann man deiner Ansicht nach ein guter Schweizer sein, wenn man erst um 9.00Uhr morgens aufsteht? Ehrlich!!!!
Sogar meine Auswertung Nr.140150 ist dabei und wen wundert’s mit der Bemerkung von mir dazu: Na, na, kein guter Schweizer. Aber das stand zu meiner Beruhigung bei den meisten. Wow, wahrscheinlich hätte ich auf die Frage nach der Besserstellung der Schweizerfrau nicht antworten sollen: „Das Recht auf gleiche berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Sondern: dass die Stellung der Schweizerfrau dem Wesen der Frau entspricht!!!!“ Neiiiiii, kein Wunder, dass wir das Stimmrecht viel viel später bekamen.
Das alles ist mir vollkommen entfallen, was mir aber geblieben ist von diesem einmaligen Erlebnis:
1. Meine Riesenenttäuschung, weil wir beim Tauchgang des Mesoscaph U-Bootes im Lac de Genève absolut nichts sehen konnten. (Kein Wunder, lief doch damals die ganze Kanalisation der Stadt Lausanne in den See).
2. Am allerbesten gefielen mir die Büromaschinen, deren unterschiedlichen Töne zu einer Synphonie zusammengefasst waren. Das war grosse Klasse.

Uebrigens war ich bei der Expo 2002 auch dabei. Dieses Mal nicht nur einen Tag, sondern immer 2 Tage mit Uebernachtung auf allen Arteplagen.

Episode 10 - G.S. Tagebucheintrag 5.9.1964 einer 17-Jährigen

Bereitgestellt: 06.01.2022     Besuche: 3 heute, 40 Monat
 
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