Episoden aus dem Leben #8

Logo Schreibprojekt (Foto: Markus Rosenfelder)

Ein Schreibprojekt unserer Gemeindemitglieder
Autor I.H. - Lebenserinnerung: erste Ferienreise

Mein Mann wollte mir unbedingt Wien zeigen. Da ist er mit dem Wagen seines Vaters und einem Freund in jungen Jahren schon einmal gewesen. Also ging es los und wir fuhren über Wien nach Ungarn. Budapest war damals noch richtig hinter dem Eisernen Vorhang und z.B. modisch sehr anders. Ich fiel auf wie ein bunter Hund, hatte ich doch modische Strumpfhosen in weiss mit Muster dabei. Schwarzes und Kopftücher waren in, besonders bei älteren Damen. In Buda fanden wir privat ein Zimmer in einer hochherrschaftlichen Altstadtwohnung bei Mutter und Sohn. Wir belegten das Schlafzimmer und der Sohn und die Mutter übernachteten im sehr breiten Gang hinter einem Vorhang. Wir besuchten unter anderem einen Herend Porzellanladen und wurden über eine, mit Kordel blockierte Treppe, in den ersten Stock geführt, wo man nur gegen Devisen einkaufen konnte. Am Zoll warteten wir bei der Einreise aber einige Zeit, bis die Zöllner freundlicherweise die Barriere öffneten. Am letzten Tag luden wir unsere Gastgeber ein, in ein Restaurant ihrer Wahl. Wir platzten in eine Hochzeit und sangen und tanzten mit, quasi als Ehrengäste. Die Gastgeberin erzählte dann auch von alten Zeiten. Sie sei mit ihren Eltern früher einmal in der Schweiz gewesen. Besonders könne sie sich an Einsiedeln und das wunderschöne Barock-Kloster erinnern. Es ging dann weiter nach ehem. Jugoslawien. Wir überquerten dabei einen Pass und hatten ausser ein paar Lastwagen null Verkehr. Gespenstig, was hätten wir nur bei einer Panne gemacht? Die Frauen hatten Pluderhosen an und die Männer Mützen. Endlich erreichten wir Mostar. Wo übernachten? Wir fanden einen Campingplatz, der einfache Holzhüttchen vermietete. Vor dem Schlafengehen hörten wir Musik. Neugierig gingen wir den Tönen nach und waren plötzlich mittendrinn. Ein Feuer und alle rundherum sitzend, singend, musizierend und tanzend. Bei genauerem Hinsehen waren es Fahrende, Zigeuner, Roma was immer. Der Abend blieb mir in schönster Erinnerung. Am nächsten Morgen gingen wir die Stadt ansehen und von den gestrigen Leuten keine Spur mehr. Die Brücke, die später eine so traurige Geschichte schrieb (im Krieg), überquerten und fotografierten wir. Mein Mann hat sich fortwährend in die Haare gegriffen und es hat ihn schrecklich gejuckt. Ich hab ihn dann in einen Hauseingang gezogen und gelaust. Zum Glück hat es ihn befallen und nicht mich mit meinem dichten langen Schopf!!
Die Reise führte uns dann noch ans Meer, wo ich feststellte, dass das Badekleid nicht dabei war. Da war es aber schon ziemlich westlich und ich fand etwas in einem Touristenladen. Über Italien fanden wir wieder zurück, nicht ohne bei Hotels immer nachweisen zu müssen, dass wir verheiratet sind.

Episode 8 - I.H. Lebenserinnerung Erste Ferienreise

Bereitgestellt: 09.12.2021     Besuche: 50 Monat
 
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