Episoden aus dem Leben #3

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Ein Schreibprojekt unserer Gemeindemitglieder
Episode #3 - I.H. Lebenserinnerung Dialekte

Urnerdeutsch

Ich war erst ein paar Monate verheiratet und wollte im Winter 1969 mit dem Auto von Altdorf nach Brunnen fahren. Die alte Axenstrasse war noch sehr kurvig. Es war dunkel und ich wurde plötzlich von einem schwankenden Licht mitten auf der Strasse angehalten. Ein Mann mit Laterne kam an meine Seite. Ich kurbelte das Fenster runter und der Mann erklärte im schönsten Urner Dialekt was passiert war. Ich verstand absolut nichts. Also machte ich mir meine Gedanken, was es denn sein könnte. Ist ein Unfall geschehen, der Zug entgleist oder sonst etwas? Er wiederholte und ich konnte ihn immer noch nicht verstehen. Also meine Frage. „Könnten sie das auf hochdeutsch wiederholen. Er ging vors Auto um meine Autonummer anzuschauen und antwortete: „Hesch ämal än Ürnernummere“. „Ja schon, aber ich bin erst seit ein paar Wochen hier.“ Also endlich: „Es isch eine Lawine apä. Hesch mi jetzt ghört?“. Nun drehte ich um und fuhr wieder nach Hause, wo mein Mann mich erstaunt empfing: „Das ging aber schnell!“ „Sschäleuwi apä“ So genau hatte ich es gehört. Und jetzt wurde mir geantwortet: „Ah ja, die kommt hin und wieder im Winter.“ „Neiiiii, das kannst Du doch nicht verstehen.“ „Doch ich bin Schwyzer und wir sagen „Laui“, aber das ist doch verständlich oder?“ Ich war enttäuscht und mein Lernen oder wenigstens meine Versuche, die verschiedenen Dialekte zu verstehen, begann.

Berndeutsch

Wie freuten wir uns, nach dem Kirchen-Bazar, für den wir viele Stunden gearbeitet hatten, einen Ausflug mit dem Frauenverein zu machen. Der Vorstand organisierte eine Busreise mit Textil-Museumsbesuch in Riggisberg. Alle strahlten schon beim Einsteigen aus Vorfreude über den gemeinsamen Plausch. Die Anfahrt führte zuerst zu einem Kaffee mit Gipfeli ins Entlebuch. Danach wollte der Bus-Chauffeur eine Abkürzung nehmen. Nun, ich sass zuvorderst im Bus und sah die Strassen immer enger werden. Ich fragte den Chauffeur, ob er sich eventuell verfahren habe. Ganz kleinlaut kam: „Jjja, ich kenne mich da nicht mehr aus“. Hinter mir war fröhliches Geplauder und Lachen zu hören. „Da vorne ist eine Frau im Garten. Halten sie an.“ Die Türe vom Bus offen redete ich die Frau, die jätete, an. „Wir sind auf dem Weg nach Riggisberg, sind wir hier richtig?“ In breitestem Berndeutsch wurde mir geantwortet und der Weg erklärt. Ich verstand Bahnhof!! Ja, „Chäsi“ das war i.O. aber weiter gings mit „Gääiechrump“ oder so. Ich bemerkte, dass es hinter mir ruhig wurde. Da die Mitglieder im Frauenverein ja von der ganzen Schweiz kamen, hoffte ich, jemand würde den Dialekt verstehen. Nein, auch sie verstanden nichts. Also wandte ich meinen Trick an: „Entschuldigung, wir verstehen sie nicht, könnten sie das auf hochdeutsch wiederholen?“ Sie setzte ihre Hände in die Hüften und sagte: „Was verstehen sie nicht?“ „Nun, Chäsi ist Käserei, aber dieses, was danach kommt,Gäääiechrump?“ „Aha, also das ist es.“ Und jetzt waren alle gespannt und sie sagte es mit ihrem breiten Berndeutschen Akzent: „Das heisst EINE SCHARFE KURVE.“ Wir waren auf dem richtigen Abkürzungsweg und fuhren mit lautem Gelächter, zum Entsetzen der Bauersfrau, dafür dankend weiter und der Tag war gerettet.


Episode 3 - I.H. Lebenserinnerung Dialekte

Bereitgestellt: 30.09.2021     Besuche: 54 Monat
 
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