Unsere Glocken läuten «pro pace»

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In Zeiten wo die direkte Verbindung eingeschränkt ist, dürfen wir uns im Gebet verbunden fühlen. Das 11-Uhr-Glockengeläut ist schon seit altersher ein Zeichen für den Frieden, wir können es heute als Zeitpunkt der Fürbitte neu und praktisch als «Wecker» verstehen, nicht gegen, sondern für etwas – im ökumenischen Gleich- und Einklang.
Hartmut Schuessler,
Eine neue Läutordnung für Brunnen
Wir haben unsere Läuteordnung angepasst. Neu läuten die Glocken in Brunnen – gleich wie bisher schon unsere Schwyzer Glocken – an Werktagen um 11 Uhr für 5 Minuten und laden zum Gebet ein.

Glocken als Zeichen ökumenischer Verbundenheit
Solange die Krise besteht werden unsere Kirchen auch am Sonntag um 11 Uhr für 10 Minuten läuten.
Im Gleichklang mit unseren Geschwistern aus der katholischen Kirche und der Chrishona-Gemeinde Brunnen laden wir in Zeiten, wo alle Gottesdienste ausfallen müssen, zum Achten auf den Klang der Glocken ein. Neben Telefonaten und Briefen können wir so unsere Verbundenheit mit andern Menschen zum Ausdruck bringe: ein Unser Vater oder ein kurzes Gebet sprechen, eine besondere Kerze anzünden oder einen Moment still werden – vielleicht sogar ein Lied singen…


Pfarrerin Rahel Eggenberger hat interessante Betrachtungen zur Geschichte der Kirchenglocken geschrieben, die wir hier gerne mit Ihnen teilen wollen:

Glocken in der Bibel
Kirchtürme und Glocken kommen im Neuen Testament nicht vor, aber bereits im Alten Testament wurde an Feiertagen, zum Morgengottesdienst und in schwierigen Situationen das Schofar geblasen, so dass die Bevöl­kerung alarmiert und informiert werden konnte: Ein Weckruf. Die verschiedenen Töne und Klänge signalisieren z.B. «Der König kommt» oder «Gott erbarme Dich». Der Hohepriester trug am Saum seines Gewan­des 12 Glöckchen, sodass die zwölf Stämme (Gottes Volk) beim Dienst in Gottes Nähe und Gegenwart symbolisch hörbar waren.

Glocken in der Frühen Christenheit
Im 6. Jahrhundert waren es iro-schottischen Mönche wie Columban und Gallus, die von ihrer Inselwelt Glocken auf das europäische Festland und in die Schweiz brachten. Sie kündigten ihr Kommen mit Glöckchen (Schellen) an, die sie nebst dem Wanderstab mit sich herum trugen. Ihre Ankunft verband sich mit der Ankündigung der Predigt des Evangeliums – der guten Nachricht. Später wurden grössere Glocken in Dachreitern oder Glockengiebeln platziert.

Glocken im Hochmittelalter
Erst im 10./11. Jahrhundert kam es zu Kirchtürmen, die gewaltige Glocken tragen konnten. Viele von ihnen tragen Inschriften oder Widmungen ihres möglichen Spenders oder beziehen sich auf eine Situation, die sie in einem Spruch oder Bibelzitat verewigen. Heute ist das Kirchengeläute Kulturerbe und zur Tradition geworden.

Glockenläuten als Gebetsruf
Das Läuten zu bestimmten Tages­zei­ten gibt es bei Katholiken und Protestanten, das Gebets­läuten in den Klös­tern erklingt dreimal täglich (morgens, mittags, abends). Dieser Klang birgt die Einladung zur Anrufung Gottes – zum Beistand in Not und Danksagung. Die Glocken läuten zu Beginn des Gottesdienstes, Sie rufen nicht nur eine bestimmte Tageszeit oder ein Ereignis in Erinnerung, sondern laden ein innezuhalten, zum Himmel zu blicken – sie haben mit ihrem Klang über Dörfer, Städte, Landschaft und Menschen hinweg eine gemeinschaftsstiftende Funktion.

Das 11-Uhr Geläut
Das 11-Uhr-Geläut ist speziell. Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, dass es kaum auffällt. Das 11-Uhr-Läuten heisst auch Mittagsläuten, es geht auf den Papst Calixt III. im Jahre 1455 zurück. Es wurde nach dem Ave-Maria «Angelusläuten» genannt. Die Reformation schaffte das Ave-Maria-Gebet ab, das Läuten wurde jedoch beibehalten, und empfohlen ein Unser Vater zu beten, weil es den Tag strukturierte, bevor es (Armband-)Uhren gab. Das Mittagsgeläut ist seit 1457 «pro pace» aus Dankbarkeit für die Abwendung vor der «Türkengefahr» dem Frieden gewidmet. Mit dem 11-Uhr-Glockengeläut besteht schon ein Zeichen, wir können es als Zeitpunkt der Fürbitte neu und praktisch «als Wecker» einsetzen. Nicht gegen, sondern für etwas – im ökumenischen Gleich- und Einklang. Wir können damit unsere Verbundenheit mit andern Menschen zum Ausdruck bringen, ein kurzes oder längeres Gebet sprechen, eine besondere Kerze anzünden oder einen Moment still werden - vielleicht sogar ein Lied singen. Israel erinnerte sich immer wieder daran, wie Gott ihnen half (Psalmlieder).

Auch wenn wir momentan Verzicht erleben, Neues erlernen und des Schutzes bedürfen, so können wir trotz physischem Abstand zueinander in Gedanken und Gebet täglich miteinander - durch unsern Meister und Herrn Jesus Christus – verbunden sein. Die Glocken sollen uns wieder daran erinnern.

Pfarrerin Rahel Eggenberger
6430 Schwyz | Tel. 041-811 89 05
Mail: rahel.1291@bluewin.ch

Unsere Glocken:
Glockenturm Schwyz
Baujahr: 1958
Höhe: 18.00 m
Turmhahn: In Kupfer getrieben von Giuliano Pedretti, Celerina
Glockenguss: 4. September 1957 in der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau.

Glocke 1: 892 kg; Ton «fis»
Glockenspruch: «Einer ist Euer Meister, Ihr alle aber seid Brüder.»
Glocke 2: 427 kg; Ton «ais»
Glockenspruch: «O Land, Land, Land höre des Herrn Wort.»
Glocke 3: Ton «cis»
Glockenspruch: «Freuet Euch in dem Herrn allezeit.»
Glocke 4: 176 kg; Ton «dis»
Glockenspruch: «Dein Reich komme.»

Glockenturm Brunnen
Baujahr: 1968; Höhe: 32.60 m
Turmhahn: Entwurf vom Bildhauer Josef Bisa, Brunnen
Glocken Brunnen
Glockenguss: 4. Okt. 1968 in der Glockengiesserei Aarau
Das Glockenspiel ist abgestimmt auf dasjenige der katholischen Pfarrkirche Ingenbohl.

Grosse Glocke: 605 kg; Ton «gis»
Glockenspruch: «Die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens»
Mittlere Glocke: 368 kg; Ton «h»
Glockenspruch: «Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens»
Kleine Glocke: 255 kg; Ton «cis»
Glockenspruch: «Wie köstlich ist Deine Güte, o Gott»
Glocken Brunnen-Schwyz
35 Bilder
Fotograf/-innen Hartmut Schuessler und Weitere
35 Bilder
Bereitgestellt: 20.04.2020     Besuche: 36 Monat
 
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