Rückblick ökumenische Novembergespräche 2019

1. Abend (6)<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-brunnen-schwyz.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>310</div><div class='bid' style='display:none;'>5595</div><div class='usr' style='display:none;'>18</div>

Wirtschaft für den Menschen – Menschen für die Wirtschaft
Die diesjährigen Novembergespräche fanden eine schöne Resonanz. So steigerte sich von Abend zu Abend der Besuch von 45 über 55 auf 65 Teilnehmende, die sich Gedanken über gerechte Wirtschaftsformen machten.
Hartmut Schuessler,
Zum Auftakt führte der Luzerner Wirtschaftsethiker Professor Dr. Peter G. Kirchschläger in die Grundlagen der Wirtschaftstheorie ein und legte eindrücklich dar, dass ein rein am Eigennutz orientiertes Wirtschaftsmodell, wie es durch den «Homo oekonomikus» repräsentiert wird nicht Bestand haben kann, sondern nach Julian Nida-Rümelin fällt «die ökonomisch rationale Person, wie sie die heute dominante Theorie fasst, … aus allen kulturellen, sozialen, humanen Zusammenhängen heraus, sie vereinzelt radikal, sie würde im Leben und in der Ökonomie scheitern.» Dagegen setzt Kirchschläger eine Wirtschaftethik, die an der Würde des Menschen gemes­sen wird. In seinen Ausführungen nahm er auch zur Konzern-Verantwortungsinitiative Stellung und betonte, dass die Menschenrechte nicht an den Schweizer Grenzen halt machen dürfen und ein JA zur Initiative eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
(Die Powerpointpräsentation zum Vortrag von Professor Kirchschläger finden Sie » hier)


Am zweiten Abend stellte der Kapuziner Dr. Nikolaus Kuster zunächst auf heitere Art da, wie Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt einen Kulturwandel in der katholischen Kirche vorangetrieben hat. Dann erläuterte er die Entstehung der Enzyklika «Laudato Si», aus den Vorgän­gerenzykliken. Franziskus bezeichnet unseren aktuellen Lebensstil als «selbstmörderisch». Eindrucksvoll stellte Kuster die Veröffentlichung von Laudato Si im Mai 2015 in den Zusammenhang der letztlich erfoglreichen Pariser Klimakonferenz im Herbst des gleichen Jahres. Auch die Begegnung von Greta Thunberg mit Franziskus stand unter dem Vorzeichen gegenseitigen Respektes. Deutlich wurde, dass die Kirchen einen Beitrag zur Vermeidung einer weiteren Klimaerwärmung leisten müssen. Im Vortrag kam nicht zur Sprache, dass auch die ökumenische Bewegung seit langem ein wichtiger Weg­bereiter eines neuen Umweltverständnisses ist. So hat schon die Vollversammlung des Weltkirchenrates 1983 in Vancouver den «Konziliaren Pro­zess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung» ange­stossen. Wie immer wurde in der Pause und bei der anschliessenden Frage­runde eifrig diskutiert und darüber nachgedacht, welche Massnahmen, wir in unseren eigenen Kirchen umsetzen können.


Den letzten Abend gestaltete Felix Inderbitzin, der seit fast 30 Jahren als Einkäufer für die Felchlin AG Ibach auf der Su­che nach den besten Cacao­bohnen die ganze Welt bereist. Seine persönlichen Beziehungen ermög­li­chen die Umgehung des Zwischenhandels. Dies ist die Grundlage für lang­fristige Lieferverträge, die den Bauern einen Kaufpreis garanieren, der um ca. 60% höher ist als der Weltmarktpreis. Felix Inderbitzin zeigte sich skeptisch, ob sich dieses Modell auch auf die ganz Grossen im Schokoladenhandel übertragen lässt. Wenn ein Vertreter der Konzerne mit dick gefüllter Börse anreise, dann sei die Versuchung zur Korruption grösser, als wenn er mit seinen genauen Vorstellungen von Qualität langjährige Partner besu­che. Ein Beispiel dafür: Als Felchlin wegen einer verschimmelten Lieferung reklam­ier­te, wurde anstandslos Ersatz geliefert. Jedoch wurde der beanstandete Container zurückgefordert, damit er – vermischt mit anderen Bohnen – an Abnehmer verkauft werden konnte, die es mit der Qualiät nicht so genau nehmen. Dass Felchlin feine Schoggi herstellt, sollte zwar bekannt gewesen sein, aber da es in der Pause neben dem obligaten Glas Wasser auch ein feines Täfelchen Schoggi gab, blieb allen ein süsser Nachgeschmack.


Mit der Qualität nahm es das ökumenische Vorbereitungsteam genau und überreichte den Referenten als Dank eine eigens in Ibach abgefüllte «Novembergesprächsteemischung». Auch die Besucherinnen und Besucher der drei Abende konnten jeweils eine Kannenportion mit nach Hause nehmen und sich bei einer warmen Tasse Tee überlegen, welche persönlichen Konsequenzen sie aus dem Gehörten ziehen wollen.

Bereitgestellt: 10.12.2019    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch