Maike Luttenberger

Impulse für den Glauben - zwölfter Teil - IX

Buchcover Helden des Glaubens (Foto: Markus Zogg)

Die aktuelle Serie unserer «Impulse für den Glauben» läuft seit dem 3. September 2026.

Als Grundlage dient uns das Buch «Helden des Glaubens» von Michael Kotsch. (Christliche Verlagsgesellschaft mbH, ISBN: 976-3-86353-078-5)
Jan Hus (1369-1415) – Kämpfer für die Kirchenreform

Im Jahr 1369 wurde Jan (Johann) Hus als Sohn einer armen tschechischen Bauernfamilie am Böhmerwald, nach den Moldauquellen, geboren und aufgewachsen. Seine Eltern liessen ihn zum Studium nach Prag ziehen, wo er sich mit kleinen kirchlichen Hilfsdiensten den Lebensunterhalt verdiente. 1401 war er bereits Dekan der Philosophischen Fakultät und ein Jahr später Rektor der Prager Universität.

Deutliche Kirchenkritik
Im 14. Jahrhundert war die Katholische Kirche an einem vorläufig moralischen Tiefpunkt angelangt. Drei Päpste wetteiferten um ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Westeuropa. Keiner von ihnen zeichnete sich durch besondere Frömmigkeit oder Glaubwürdigkeit aus.
Durch sein Studium stiess Jan Hus immer häufiger auf die Schriften des englischen Reformators John Wyclif, der sich massiv gegen kirchlichen Ämtermissbrauch, gegen Vermischung von Glaube und Politik sowie gegen Reliquienverehrung geäussert hatte. Ausserdem förderte er das Lesen der Bibel in der eigenen Muttersprache.
Nachdem Hus 1402 zum Priester geweiht worden war, begann er mit seiner Tätigkeit als Prediger in der Prager Bethlehems-Kapelle, wo er jeden Sonntag vor rund 3000 Gottesdienstbesuchern sprach.

Hus’ Theologie
An der Universität in Prag mehrte sich die Kritik an Hus’ Predigten und Wyclifs Thesen. Angeheizt wurde die angespannte Stimmung durch einen neuen Ablassaufruf des Papstes, mit dem dieser seinen geplanten Krieg gegen den König von Neapel finanzieren wollte. Hus kritisierte das Vorgehen der Kirche. Theologisch hatte er sich immer weiter von der offiziellen katholischen Lehre jener Tage entfernt. Er forderte, nichts zu glauben, zu behaupten und zu predigen, was nicht durch die Aussagen der Bibel begründbar sei.

Das Konzil von Konstanz
Auf dem im Jahr 1414 durchgeführten Konzil von Konstanz sollte der Streit dreier konkurrierender Päpste geschlichtet und der Fall Jan Hus geklärt werden. Trotz königlichen Zusagen für Freiheit und Sicherheit wurde Hus gefangengesetzt.

Die Anklage
Einige Zeit später wurde Hus ein Schriftstück mit 42 Anklagepunkten überreicht. Ihm wurde Irrlehre vorgeworfen. Alle Punkte widerlegte Hus mit Zitaten aus der Bibel und den Schriften der Kirchenväter. Die Petition von 250 tschechischen Adligen im Jahr 1415 brachte wenig. Im Juni begann der eigentliche Prozess gegen Hus im Franziskanerkloster in Konstanz. Hus wollte sich auf keine falschen Kompromisse einlassen. Er wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Er suchte bei Gott Kraft für die bevorstehende Hinrichtung, betete laut für seine Gegner und sang christliche Lieder.

Im Gedenken an den tschechischen Reformator Jan Hus wurde in Konstanz ein Denkmal eingerichtet, die an seine Leistungen erinnern. In der Tschechoslowakei wurde sein Todestag, der 6. Juli, im Jahr 1925 zum Staatsfeiertag ernannt.

Thesen zum Weiterdenken:
- Immer wieder wurden in der Kirchengeschichte Glauben und Politik miteinander vermischt, zumeist mit negativen Auswirkungen.
- Gelegentlich gebraucht Gott politische bzw. gesellschaftliche Entwicklungen in einem Land, um in seinem Sinn ins Geschehen einzugreifen.


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oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 29.10.2026