Maike Luttenberger

Impulse für den Glauben - zwölfter Teil - VII

Buchcover Helden des Glaubens (Foto: Markus Zogg)

Die aktuelle Serie unserer «Impulse für den Glauben» läuft seit dem 3. September 2026.

Als Grundlage dient uns das Buch «Helden des Glaubens» von Michael Kotsch. (Christliche Verlagsgesellschaft mbH, ISBN: 976-3-86353-078-5)
Petrus Waldus (1140-1218) – Alternatives Christsein im Mittelalter

In Lyon wurde 1140 Petrus Waldus (auch Waldes) als Kind einer wohlhabenden Familie geboren. Als erfolgreicher Kaufmann erwarb er sich Ansehen und Reichtum. Zunehmend empfand er jedoch eine innere Leere und die Sehnsucht, ein Leben für Gott zu führen. Immer dringlicher suchte er nach dem Sinn des ihm verbleibenden Lebens. Schlechte Ernten führten 1176 im Süden Frankreichs zu einer Hungersnot. Zwischenzeitlich bedeuteten Waldus sein Hab und Gut nicht mehr viel. Mit seinem Vermögen speiste er die Armen der Stadt, um sie durch den Winter zu bringen. Dann verliess er Haus und Familie, um in Lyon und Umgebung durch Predigten auf Gott hinzuweisen.

Eine eigene Bibel
Da er wie die meisten seiner Zeitgenossen kein Latein sprach, sah Waldus nur diese Möglichkeit, sich selbst näher mit der Bibel zu beschäftigen.
In den Jahren 1177-78 sammelte sich um Waldus eine Gruppe Gleichgesinnter, die er mit Hilfe seiner provenzalischen Bibelübersetzung unterwies. Schon bald durchzogen diese Männer immer zu zweit, wie die Apostel, die ganze Gegend, um das Volk zur Umkehr zu Gott aufzurufen. Ihre Zuhörer waren beeindruckt.
Die Waldenser, wie man sie bald nannte, trugen lange, einfach Wollgewänder und sandalenartige Schuhe. Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit wurden sie auch die Armen von Lyon genannt.
Waldus plante keine kirchliche Revolution. Ihm ging es eher um eine echte Einsicht in die eigene Schuld und um ein konsequentes Christenleben: mehr Gebet, mehr Stille, mehr Predigten, mehr Nächstenliebe…

Konflikt mit der Amtskirche
Waldus‘ Engagement forderten die bequem lebenden Priester Lyons unangenehm heraus. Ihr politisches Machtdenken und ihre geistliche Hilflosigkeit hinderte sie daran, motivierte Christen wie Waldus in das Gemeindeleben zu integrieren. Man fürchtete sich um den eigenen Einfluss. Sie verboten den Laienpredigern den Mund und beriefen sich dabei auf das Kirchenrecht, das eine offizielle Predigtgenehmigung vorsah. Als ihm auch der Bischof von Lyon dieses Papier verweigerte, reiste Waldus eigens nach Rom, wo ihm eine Audienz beim Papst eingeräumt wurde. Doch eine allgemeine Predigterlaubnis blieb aus.

Gott steht über dem Papst
Weil sich Waldus und seine Mitchristen aber von Gott berufen fühlten, predigten sie trotzdem. Jeder Christ könne und solle jedem anderen das Evangelium erklären und ihm damit zum Heil verhelfen. Wie zu erwarten, verschärfte sich der Konflikt daraufhin zusehends. Für die katholische Kirche war es tragisch, dass die fromme Erneuerungsbewegung der Waldenser ihren eigenen Weg ging. Selbst hochgebildete und angesehene Theologen unterstützten die Waldenser und bestätigen deren Rechtgläubigkeit. Da es hier jedoch um Kirchenpolitik ging, half das nur wenig.

Waldensisches Gemeindeleben
Trotz aller amtlichen Behinderungen konnten sich die Waldensergruppen an verschiedenen Orten in Frankreich und Italien etablieren. Abgesehen von Predigt und Gebet feierte man zusammen das Abendmahl, nahm die Beichte ab und salbte die Kranken. Gelesen wurde aus den eigenen Bibelübersetzungen und aus den Schriften der Kirchenväter. Gemeinsame Mahlzeiten sollte es auch den Armen ermöglichen, satt zu werden. In Schulen wurden zukünftige Reise-Prediger ausgebildet.

Zeiten der Verfolgung
Allen Waldensern, die sich nicht bereitwillig der katholischen Hierarchie unterordneten, erklärte Papst Innozenz den Krieg. Viele Prediger wurden verfolgt und gefangen. Um das Risiko einer Entdeckung gering zu halten, verkleideten sich die Prediger als Handwerker oder reisende Händler und hielten ihre Bibelstunden in geheimen Verstecken ab. Mit der offiziellen Anerkennung ging für die Chiesa Evangelica Vald 1848 eine fast 700-jährige Verfolgungszeit zu Ende.

Waldenser heute
Zu der bis heute existierenden Waldenserkirche zählen sich rund 100'000 Christen. Die Hälfte von ihnen lebt in Italien. Das traditionelle Wappen der Waldenser zeigt einen Leuchter mit der Umschrift «Lux lucet in tenebris» aus dem Johannesevangelium 1,5: «Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.»

Thesen zum Weiterdenken:
- Um über den Glauben zu reden, braucht es in erster Linie kein akademisches Studium, sondern die Kenntnis der Bibel und die Bereitschaft, sich an ihr zu orientieren.


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 15.10.2026