Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - zwölfter Teil - V

Buchcover Helden des Glaubens (Foto: Markus Zogg)

Die aktuelle Serie unserer «Impulse für den Glauben» läuft seit dem 3. September 2026.

Als Grundlage dient uns das Buch «Helden des Glaubens» von Michael Kotsch. (Christliche Verlagsgesellschaft mbH, ISBN: 976-3-86353-078-5)
Augustinus von Hippo (354-430) – Radikale Hinwendung zu Gott

Augustinus wurde 354 in Algerien geboren. Seine Mutter war eine gläubige Christin. Lebenslang betete sie intensiv für ihren Sohn. Sein Vater hielt es mit der Religion eher lockerer. Mit 17 Jahren setzte Augustinus seine Ausbildung in Karthago (Ägypten) fort. Damals galt die Stadt als Hochburg des Vergnügens und der Unmoral. Später erinnerte sich Augustinus an die Mahnungen seiner Mutter. Abgesehen von seinen Vergnügungen und den zahlreichen Frauenbekanntschaften war Augustinus ein fleissiger Student. Besonders widmete er sich dem Latein, der Rhetorik, der Mathematik, der Musik und der Philosophie.

Der Sucher
Mehrere Jahre sympathisierte Augustinus mit dem Manichäismus, wo das Weltbild in Gut und Böse aufgeteilt ist und in jedem Menschen ein Kampf zwischen Licht und Finsternis tobt. Echte Manichäer lebten streng zölibatär und vegetarisch, sie tranken keinen Alkohol, arbeiteten nicht und pflegten ein intensives Gebetsleben.
Mit 29 Jahren zog Augustinus nach Rom, um seine Karriere weiter voranzutreiben.

Der Bekehrte
Auf Raten seiner Mutter hörte sich Augustinus in Mailand die Predigten des berühmten Ambrosius an. Dieser empfahl ihm, intensiv in der Bibel zu lesen und dabei den Rat des Paulus zu berücksichtigen: «Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig» (2. Kor. 3,6). Mit dem Denken von Paulus konnte Augustinus sich gut identifizieren. Eines Tages hörte Augustinus eine Stimme, die rief: «Nimm und lies!». Diese Aufforderung empfand er als Reden Gottes. Er öffnete seine Bibel und stiess auf Römer 13,13f.: «Lass uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht…» Hier fühlte sich Augustinus in seinem bisherigen Lebensstil unmittelbar angesprochen. Es fühlte sich von Gott angenommen und verstanden und öffnete sich gegenüber Gott. Er erfuhr seelischen Frieden und bekam die Kraft für ein verändertes, moralisches Leben. Am Ostersonntag des Jahre 387 wurde Augustinus getauft. Er verkaufte sein Erbe und verschenkte den Erlös an die Armen. Dann zog er mit einigen Gleichgesinnten in ein einsames Haus. Hier lebten die Mönche in Armut, Ehelosigkeit, geistiger Arbeit und Gebet.

Der Bischof
Der alternde Bischof der nahegelegenen Stadt Hippo bat Augustinus um Hilfe bei der Gemeindearbeit. Nach seiner Priesterweihe predigte Augustinus dort häufig. Seine Beredsamkeit faszinierte viele Zuhörer. Bald darauf wählte die Gemeinde von Hippo Augustinus einstimmig zum Nachfolger des greisen Bischofs. Erst nach anfänglichem Sträuben willigte Augustinus schliesslich ein und bliebt für die nächsten 34 Jahre Bischof der Stadt.

Der Kämpfer
Als Bischof war Augustinus konfrontiert mit verschiedenen religiösen Strömungen. Einer seiner Hauptkontrahenten war der Mönch Pelagius, der die Meinung vertritt, dass der getaufte Christ in den sündlosen Urzustand des Paradieses zurückversetzt werde. Für Augustinus war klar, dass der Christ sich bemühen, nach den Geboten Gottes zu leben. Dadurch könne er sich aber weder den Himmel noch die Vergebung seiner Schuld verdienen. Augustinus kritisierte auch einige Traditionen in der etablierten Kirche. So wandte er sich gegen die damals verbreitete Verehrung religiöser Bilder, den Märtyerkult und die Heiligenverehrung.

Der Theologe
Immer wieder wandten sich Christen aus nah und fern mit verschiedensten Fragen an Augustinus. Durch seine im Jahr 230 verfassten Schriften kann man heute erfahren, was Christen im 4./5. Jahrhundert bewegte. Besonders bemühte sich Augustinus, die Lehren der Bibel, die er als einzige Stütze der Ordnung und Orientierung in einer unmoralischen und verwirrten Zeit ansah, mit Vernunft zu erklären und zu begründen. Intensiv setzte sich Augustinus in seinen Schriften auch mit dem scheinbar unüberwindlichen Gegensatz zwischen freiem Willen des Menschen und Vorherwissen bzw. -bestimmung Gottes auseinander.

Der Philosoph
Als gebildeter Mann seiner Zeit investierte Augustinus viel Mühe darin, den christlichen Glauben mit dem Verstand zu erklären. Jedoch hielt er fest: «Die Autorität der Schrift (Bibel) ist grösser als alle Anstrengungen des menschlichen Geistes.» Um Gott zu verstehen, brauche man neben dem Verstand auch ein reines Herz und den Willen, das zu tun, was die Bibel fordere.

Der Alte
Im Alter hatte Augustinus immer stärker unter seinen körperlichen Einschränkungen zu leiden. Im Jahr 530 starb Augustinus im Alter von 76 Jahren. Er hinterliess kein Testament, da er nichts besass, was zu vererben gewesen wäre. Auf sein Grab liess er schreiben: «Was beschwert das Herz des Christen? Dass er ein Wanderer ist und sich nach seiner Heimat sehnt!»

Thesen zum Weiterdenken:
- Erfolg, Begabung, Reichtum und Philosophie können das innerliche Vakuum eines Menschen nicht dauerhaft ausfüllen. Seine geistliche Heimat und echte Ruhe findet Mensch erst bei Gott.
- Die Vergebung der Schuld und der Zugang zum Himmel gehen allein auf die Aktivität Gottes zurück. Der Mensch in seiner geistlichen Verwirrung kann dazu nichts beitragen.


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 01.10.2026