Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - zehnter Teil - VIII

Buchcover Die stille Gefährtin  (Foto: Markus Zogg)

Der Herbst ist da und die Tage werden kürzer. Die Stunden, die wir draussen verbringen, werden weniger und für viele Menschen bedeutet dies, mehr einsame Stunden in den eigenen vier Wänden zu verbringen.
Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in den nächsten Wochen mit dem Buch von Stephanie Hecke:
"Die stille Gefährtin – Einsamkeit verstehen und überwinden"
(ISBN 978-3-86334-390-3)


Armut – wer ist davon besonders betroffen?

«Arme habt ihr allezeit», heisst es im Johannesevangelium der Bibel (Johannes 12,8). Armut war und ist ein Thema der Menschheit in allen Epochen, Kulturen und Religionen. Immer wieder ergeben sich daraus dieselben Fragen: Wie kann Armut verhindert werden’ Wie kann Armut überwunden werden? Welche Verantwortung haben die Reichen den Armen gegenüber?
Schon in den alten Schriften des Judentums, in der Thora, der hebräischen Bibel, werden Personengruppen genannt, die als besonders schutzbedürftig gelten. Zu den sogenannten personae miserae gehören Witwen und Waisen, Fremde und arme Menschen. Diese schutzbedürftigen Personengruppen gibt es genauso heute noch, auch wenn sich die Lebensverhältnisse verändert haben.

Armut ist ein strukturelles Problem
Tausende Jahre sind seit den Gesetzgebungen der Thora vergangen. Die Tatsache, dass Armut in unserer reichen Gesellschaft nach wie vor ein grosses Problem ist, zeigt, dass sie tief in den Strukturen verwurzelt ist. Es sind nicht nur individuelle Schicksale, sondern auch systemische Ungerechtigkeiten, die Menschen in Armut treiben. Zentral steht dabei die Frage nach der Existenzsicherung, die anhand einer realistischen Berechnung so bemessen sein muss, dass sie den Betroffenen ein Leben in Würde ermöglichen kann. Wer einer Berufstätigkeit nachgeht, muss darin so ausreichend entlohnt werden, dass er oder sie nicht von Armut gefährdet sein darf. Wer in Armut gerät, ist oft noch zusätzlich mit Einsamkeit belastet.

Gefährdet Einsamkeit die Demokratie?
Man könnte meinen, Einsamkeit sei eine private Angelegenheit. Einsamkeit betrifft aber nicht nur unser individuelles Wohlbefinden, sondern auch die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft zusammenleben. Bei Einsamkeit geht es nicht um das Fehlen von sozialen Kontakten – es geht um das Fehlen von Zugehörigkeit, um das Gefühl, nicht Teil von etwas Grösserem zu sein. Wie Menschen in einem Staat zusammenleben und das gemeinsame Leben gestaltet und gefördert wird, ist eine ureigene politische Aufgabe.
Demokratie lebt davon, dass Menschen miteinander reden, einander trotz unterschiedlicher Meinungen zuhören und Vertrauen zueinander aufbauen. Die Voraussetzung dafür ist, dass sich jede einzelne Person als wirksam und zugehörig erlebt. Das Gefühl, mit den eigenen Sorgen und Nöten nicht gehört oder gar übergangen zu werden, zerstört das Vertrauen in staatliches Handeln.

Reflexionsfrage:
Was können wir als Kirchgemeinde und was kann ich als Einzelperson tun, damit sich Menschen zugehörig und wirksam fühlen?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 09.10.2025