Impulse für den Glauben - zehnter Teil - IV
Der Herbst steht bevor und die Tage werden kürzer. Die Stunden, die wir draussen verbringen, werden weniger und für viele Menschen bedeutet dies, mehr einsame Stunden in den eigenen vier Wänden zu verbringen.
Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in den nächsten Wochen mit dem Buch von Stephanie Hecke:
"Die stille Gefährtin – Einsamkeit verstehen und überwinden"
(ISBN 978-3-86334-390-3)
Sichtbare und unsichtbare Einsamkeit
Einsamkeit ist nicht einfach die Abwesenheit von Menschen. Sie ist das Gefühl, dass uns etwas fehlt – ein Defizit an Zugehörigkeit und Verbundenheit, das nicht gefüllt werden kann.
Es gibt in unserer Zeit viele Gründe, warum wir in diese Situation kommen:
- Lebens- und Wohnformen haben sich gewandelt (viele Einpersonenhaushalte)
- Erhöhte Mobilität, internationale berufliche Optionen (weit weg von vertrauten Personen)
- Verlust eines geliebten Menschen
- Unerfüllter Wunsch nach Partnerschaft und Familie
Einsamkeit entsteht auch, wenn wir uns nicht verstanden oder nicht verbunden fühlen. Selbst wer in stabilen Beziehungen lebt, kann Einsamkeit empfinden. Wenn niemand der Menschen um einen herum versteht, was einem auf dem Herzen liegt, und die Bedürfnisse nicht wahrnehmen kann oder will, wenn man sich fremd und nicht angenommen fühlt, wenn Gedanken und Gefühle ungehört bleiben, dann kann man sich trotz Beziehung, trotz Freunden und trotz Familie sehr einsam fühlen.
Einsamkeit in Kategorien fassen
Einsamkeit ist ein Gefühl, dass sich oft heimlich, still und leise in unser Leben schleicht. Meistens fehlt uns die Sprache, um es wirklich zu beschreiben. Welche Worte passen schon zu einem Gefühl, das so schwer greifbar ist? Und selbst wenn wir die richtigen Worte finden – mit wem sollten wir darüber sprechen?
Von emotionaler Einsamkeit spricht man, wenn eine enge, vertraute Beziehung fehlt.
Von sozialer Einsamkeit spricht man, wenn die Partnerschaft oder die Familie die einzige tragende Beziehung im Leben ist.
Von kollektiver Einsamkeit spricht man, wenn man das Gefühl hat, nicht Teil einer grösseren Gemeinschaft zu sein.
Allein diese drei Formen von Einsamkeit machen deutlich: Einsamkeit hat so viele verschiedene Facetten. Wir können sie von aussen nicht sehen. Es ist ein Trugschluss zu denken, dass Menschen in einer Familie, in einer Beziehung oder in einem Freundeskreis nicht einsam werden können.
Es geht um das tiefe Bedürfnis nach Verbundenheit in verschiedenen Beziehungsformen. Wo solch ein Bedürfnis nicht erfüllt wird, kann man einsam werden.
Reflexionsfrage
Welche der drei Arten von Einsamkeit, die auf verschiedene Beziehungsformen zurückzuführen sind, betreffen mich? Wo erkenne ich mich wieder?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.