Impulse für den Glauben - zehnter Teil - I
Wir starten mit einem neuen Thema. Der Herbst steht bevor und die Tage werden kürzer. Die Stunden, die wir draussen verbringen, werden weniger und für viele Menschen bedeutet dies, mehr einsame Stunden in den eigenen vier Wänden zu verbringen.
Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in den nächsten Wochen mit dem Buch von Stephanie Hecke:
"Die stille Gefährtin – Einsamkeit verstehen und überwinden"
(ISBN 978-3-86334-390-3)
Einleitende Worte zum Thema Einsamkeit
Einsamkeit: Als würde etwas an uns andere Menschen fernhalten. Als würde man nicht dazugehören. Als bliebe man aussen vor. Die Sehnsucht, irgendwo auf der Welt einen Platz zu finden. Und zu spüren: Hier gehöre ich hin und es gibt Menschen in meinem Leben, denen ich so wichtig bin, dass sie gern Zeit mit mir verbringen oder sogar einen Teil des Lebenswegs mit mir gehen. Einsamkeit ist sehr viel mehr als die Abwesenheit anderer Menschen.
Was ist Einsamkeit?
Wie die Luft zum Atmen, so braucht jeder Mensch Beziehungen zum Leben. Beziehungen geben uns Halt und helfen uns, uns selbst zu verstehen. In der Begegnung mit anderen wachsen wir, lernen, wer wir sind, was uns wichtig ist und finden einen Platz in der Welt. Beziehung sind unser Spiegel – in ihnen erkennen wir uns selbst. Wer in Beziehungen eingewoben ist, erlebt nicht nur Gemeinschaft, sondern vor allem ein Grundgefühl von Verbundenheit, Zugehörigkeit und Geborgenheit. Wer keine Verbundenheit zu anderen Menschen erlebt, wer sich keiner Beziehung oder Gruppe zugehörig fühlt, wird einsam.
Einsamkeit ist eine zutiefst persönliche Erfahrung. Manchmal fühlt sich die Einsamkeit an wie ein Wirbelsturm, der alles durcheinanderbringt. Und manchmal lähmt uns dieses schmerzende Gefühl, sodass wir erstarren und der Körper zu gefrieren scheint. Manchmal legt sie einen Schleier der Traurigkeit über uns, der das Herz verdunkelt. Oder es überkommen uns Gedanken, dass wir uns unser Leben so anders gewünscht haben, und wir fühlen all das Abgebrochene, all die Träume, die zu Ruinen geworden sind. An anderen Tagen macht sie uns schal und stumm, weil wir keine Worte finden und die grössere und lautere Stimme der Lebensfreude und der Hoffnung in uns verstummt ist.
Bei aller Unterschiedlichkeit, in der wir die Einsamkeit individuell erleben, bleibt eine Gemeinsamkeit: Einsam zu sein ist ein negatives Gefühl. Viele Menschen beschäftigen sich in ihrem Alltag mit allen möglichen Dingen, um sich ja nicht mit sich selbst befassen zu müssen, um nicht dem Gefühl der Leere in ihnen Raum zu geben. Die bekannteste Einsamkeitsdefinition geht davon aus, dass wir immer dann einsam sind, wenn wir einen negativen Unterschied zwischen den von uns gewünschten Beziehungen und unseren tatsächlichen vorhandenen Beziehungen wahrnehmen.
Einsamkeit kann entstehen, wenn wir für unser Bedürfnis zu wenig soziale Kontakte haben oder die Beziehungen nicht so vertraut und intensiv sind, wie wir es uns wünschen. Einsamkeit entsteht auch dann, wenn Menschen sich nicht verstanden fühlen, egal ob von der Familie, von der Partnerin oder dem Partner, in einer Freundschaft oder von den Arbeitskollegen. Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein. Aus dem Alleinsein kann aber Einsamkeit resultieren.
Reflexionsfrage
Treffen die oben erwähnten Merkmale von Einsamkeit auf mich zu und würde ich mir gegenüber eingestehen, dass ich einsam bin?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.