Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - neunter Teil - IV

Buchcover Und mittendrin leben wir (Foto: Markus Zogg)

Die Natur ist erwacht und es ist wieder wärmer geworden. Die Tage sind länger. Es gibt mehr Sonnenlicht und die Temperaturen steigen. Die Blumen blühen. Die Sträucher und Bäume sind grün geworden. Die Vögel sind zurückgekehrt. Unzählige Jungtiere kommen zur Welt. Und wir Menschen sind wieder aktiver geworden. Wir geniessen mehr Zeit im Freien und nehmen bewusster wahr, wie schön die Natur ist.
In den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wir uns mit dem Buch von Dave Bookless:

„Und mittendrin leben wir – Gott, die Ökologie und Du“ (ISBN 978-3-03848-043-3)

Die Schöpfung seufzt

Nichts ist gefährlicher als die Illusion, dass wir allein klarkommen könnten, wie es uns durch die moderne Gesellschaft vermittelt wird. Gott hat uns dazu erschaffen, abhängig zu sein von ihm, voneinander und von der gesamten Schöpfung.

Das dramatische Ereignis im Garten Eden (1. Mose 3) ist voll von wichtigen Wahrheiten, die uns heute immer noch betreffen. Die Folgen reichen weit über die zerbrochene Beziehung zwischen Gott und der Menschheit hinaus. Die Gnade, Güte und Vertrautheit mit Gott gingen verloren.
Davon betroffen sind folgende Beziehungsgeflechte:
• Beziehung zwischen Gott und der Menschheit (Gottlosigkeit)
• Zwischenmenschliche Beziehungen (Streit, Eifersucht, Missbrauch, Trennung)
• Beziehungen zwischen der Menschheit und der Natur (Ausbeutung, Achtlosigkeit)
• Beziehungen zwischen Gott und der Schöpfung (Naturkatastrophen)

Es ist das Beziehungsnetz zwischen Gott, der Schöpfung und der Menschheit, welches nicht mehr intakt ist. Wenn eine Seite fehlerhaft ist, sind alle anderen Seiten ebenso betroffen. Wenn wir uns egoistisch gegenüber Gott verhalten, ist es so, als ob wir den Faden eines Spinnennetzes zerreissen würden. Die Auswirkungen sind im ganzen Netz erkennbar.

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer den Kausalzusammenhang im Fokus haben. Dass die Menschen beispielsweise in Somalia und im Sudan schreckliche Hungernöte erleiden oder arme Bauern in Entwicklungsländern die Ersten sind, die unter extremen Wetterbedingungen und Krankheiten zu leiden haben, bedeutet nicht, dass sie sündhafter wären als der Rest der Welt. Sie sind oftmals Opfer der Umweltverschmutzung und der Gier anderer Menschen.

Ebenfalls ist es unglaublich schwierig, zwischen dem Gerichtshandeln Gottes und dem willkürlichen Chaos in der Schöpfung nach dem Sündenfall zu unterscheiden. Wir können nicht jede Lebensmittelkrise oder Naturkatastrophe auf ein moralisches Fehlverhalten zurückführen. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass eine schlechte Verwaltung dieser Erde und der moralische Verfall zu Umweltkrisen führen. Was die Verschmutzung, den Rohstoffabbau und den Klimawandel angeht, ernten wir heute das, was unsere Vorfahren gesät haben. Das Ausmass der Krise ist grösser als alles, was wir bis jetzt erlebt haben. Wenn wir nicht erkennen, dass dies eine geistliche Krise ist (etwas mit Gott zu tun hat), werden wir niemals fähig sein, sie zu überwinden.

Zum Zeitpunkt des Gipfeltreffens in Rio (1992) herrschte ein grosser Optimismus, dass alles wieder ins Lot kommen würde. Beim Gipfeltreffen in Johannesburg, zehn Jahre später, hat man mit Ernüchterung festgestellt, dass wenige Fortschritte erzielt wurden. Menschen wollten ihren umweltschädlichen Lebensstil nicht aufgeben. Auch der WWF hatte ein verheissungsvolles Programm gestartet mit dem Namen «Sacred Gifts for a Living Planet». In der Pressemitteilung sagte die Organisation, dass sie die Glaubensgemeinschaften ermutigen möchte, ihre bedeutende Rolle im Umweltschutz wahrzunehmen. Diese Zeit würde für uns Christen grosse Chancen bieten; wenn wir nur endlich wieder nach der Bibel fragen, auf Gottes Herausforderungen hören und bereit sind, unseren eigenen Lebensstil zu verändern.

Reflexionsfrage:
Welche Beispiele für die kaputte Beziehung innerhalb der Dreiecksbeziehung Gott, Schöpfung und Menschheit können wir sowohl weltweit als auch in unserem eigenen Leben erkennen?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 29.05.2025