Impulse für den Glauben - achter Teil - XII
Wir werfen einen Blick ins Leben von Niklaus von der Flüe. In der Kategorie der „Heiligen“ hat er für die Schweiz die wichtigste Bedeutung. Er steht als Symbol für Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ein Thema, das die ganze Welt umtreibt. Und auch in unserem Leben und in unseren Beziehungen nichts an Aktualität verloren hat.
Unter anderem wird folgende Literatur bei der Erarbeitung der „Impulse für den Glauben“ beigezogen:
- Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen», Roland Gröbli, Rex-Verlag, Luzern
- Mystiker, Mittler, Mensch: 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Theologischer Verlag Zürich
Die innere Biografie von Niklaus von Flüe (10)
Die innere Biografie beleuchtet die Wahrnehmung, Bewertung und Einordnung der verschiedenen Lebensereignisse- und Erlebnisse.
Gemäss zuverlässigen Quellen besuchte im Jahr 1479 ein unbekannter «gelehrter Doktor» Bruder Klaus von Flüe und stellte ihm mindestens 7 Fragen.
Frage 7a + 7b
Will Gott die Sünden bestrafen?
- Ich zweifle nicht daran, dass Gott die Sünden bestraft, hier oder dort.
Kann Gott einem Menschen, selbst wenn er alle Sünden der Welt getan hat, vergeben?
- Kommt der Mensch zur Reue und zur Beichte, und tut er es nicht mehr, kann Gott ihm wohl vergeben werden.
Niklaus von Flüe gibt seine Antworten aufgrund seines Bibelverständnisses. Im Brief an die Christen in Rom führt der Apostel Paulus in den ersten drei Kapiteln aus, weshalb Gott gerecht ist, wenn er Menschen bestraft. „Darf“ Gott Menschen bestrafen? Warum muss auf Böses eine Strafe folgen? Gott ist gut. Er ist der Schöpfer dieser Welt und hat sie gemacht, um sie zu lieben. Dazu hat er auch den Menschen geschaffen, um ihn zu lieben und von ihm angebetet und geliebt zu werden. Aber der Mensch hat Gottes Liebe abgewiesen und wollt sein eigener Herr sein. Nichts auf dieser Erde ist auch nur annäherungsweise so schön, gut, gerecht und freundlich wie Gott. Gott macht sich bemerkbar. Alle Menschen sehen, dass es Gott geben muss. Hinter der Schöpfung, die jeder Mensch sehen, schmecken, riechen und fühlen kann, muss ein Schöpfer stehen. Aber sie fragen nicht nach ihm und woll nicht mit ihm leben. Jeder Mensch tut Böses. Die Bibel nennt Dinge wie Mord, Diebstahl «Sünde». Aber jeder Mensch hat ein Gewissen, das ihm sagt, dass Mord, Diebstahl, Lügen etc. ihm und anderen Schaden. Manche Menschen kennen Gottes Gebote sehr gut. Der Apostel Paulus zeigt in seinen Aussagen sehr klar auf, dass wir Menschen von Natur aus Rebellen sind. Nicht Gott tut uns Böses an, sondern wir haben Gott unsere Feindschaft erklärt. Gott bestraft Menschen also nicht, obwohl, sondern weil er gut und gerecht ist.
Wenn wir versuchen, Speiseöl mit Wasser oder Essig zu mischen, merken wir, dass dies nicht funktioniert. Trotz aller Anstrengung können wir diese beiden ganz normalen Flüssigkeiten nicht mischen. Es geht einfach nicht, weil sie sich abstossen. Genauso stösst unsere Sünde uns von Gott ab. Außerhalb von Gottes Liebe gibt es keinen „neutralen Boden“. Auch das macht die Bibel klar. Entweder ist man auf der Seite von Gott oder nicht. Diese Entscheidung nimmt uns Gott nicht ab.
Der wichtigste christliche Glaubenssatz lautet aber nicht: Du wirst für deine Sünden büssen müssen, sondern «Jesus Christus hat die Sünden aller Menschen auf sich genommen».
Fragen zum Nachdenken:
• Was halte ich vom Sprichwort «kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort»?
• Sind es nicht häufig wir Menschen, die sich durch ihr Verhalten selber bestrafen?
• Welches Gottesbild habe ich? Das Bild eines liebenden und guten oder strafenden Gottes?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.