Impulse für den Glauben - achter Teil - V
Wir werfen einen Blick ins Leben von Niklaus von der Flüe. In der Kategorie der „Heiligen“ hat er für die Schweiz die wichtigste Bedeutung. Er steht als Symbol für Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ein Thema, das die ganze Welt umtreibt. Und auch in unserem Leben und in unseren Beziehungen nichts an Aktualität verloren hat.
Unter anderem wird folgende Literatur bei der Erarbeitung der „Impulse für den Glauben“ beigezogen:
- Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen», Roland Gröbli, Rex-Verlag, Luzern
- Mystiker, Mittler, Mensch: 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Theologischer Verlag Zürich
Die innere Biografie von Niklaus von Flüe (3)
Die innere Biografie beleuchtet die Wahrnehmung, Bewertung und Einordnung der verschiedenen Lebensereignisse- und Erlebnisse.
Seinem Seelsorger, dem damaligen Pfarrer von Kerns, hatte Bruder Klaus laut zuverlässigen Quellen mehrmals geklagt, dass er viele und mancherlei Anfechtungen durch den Bösen Geist gehabt habe. Die zweite Begegnung mit dem «Teufel» überlieferte sein Seelsorger mit dem Titel «Der Rat des Edelmanns». Dort heisst es: «Insbesondere sei der Teufel, wie ihn dünke, einmal zu ihm gekommen in der Gestalt eines Edelmannes in teuer beschlagenen Kleidern und wohlberitten. Nach langem Reden habe ihm dieser geraten, dass er von seinem Vorhaben ablassen und sich wie andere Leute benehmen soll, denn er könne sich das ewige Leben so nicht verdienen.»
Bruder Klaus war in dieser Zeit verunsichert und sah in der Vision deshalb eindeutig den Versuch des Teufels, ihn von seinem Weg abzubringen. Von seinem Vorhaben, das heisst, von seinem persönlichen Gottesverständnis zu lassen, verlangte von ihm, sich von seinen Vorstellungen, Ideen und Erwartungen zu lösen. Ich denke nicht, dass Bruder Klaus sich das ewige Leben mit einem asketischen Lebensstil verdienen wollte. Das war die heimtückische Versuchung des «Teufels», ihn aus dem Konzept zu bringe. Trotzdem: Er musste sich, ehe er offen für ein neues Leben war, vom alten lösen. Dieses Leerwerden war ein notwendiger Schritt. Dieser Schmerz gehört zu seiner Entwicklung und zu seinem Lebensweg.
Auch wir wägen gerne ab, halten das eine für nützlicher als das andere, etwas Drittes für sinnvoller und das Vierte für notwendiger. Wahrer Gehorsam aber kennt keine solche Wertung. Wo der Mensch nicht für sich will, da will Gott für ihn, darin liegt das Geheimnis des Gehorsams. Meister Eckhart, ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph aus dem 13./14. Jahrhundert, sagte, was wahrer Gehorsam nicht ist: «In wahrem Gehorsam darf kein ‘Ich will so oder so’ oder ‘dies oder das’ gefunden werden, sondern nur vollkommenes Aufgeben des Deinen. Und darum soll es im allerbesten Gebet, das der Mensch beten kann, weder ‘Gib mir diese Tugend oder diese Weise’ noch ‘Ja, Herr, gib mir dich selbst oder ewiges Leben’ heissen, sondern nur ‘Herr gibt mir nichts, als was du willst und tue, Herr, was und wie du willst in jeder Weise’.»
Gott ist dem Menschen innerlicher, als es der Mensch sich selber ist.
Fragen zum Nachdenken:
- Von was musste ich mich im Leben trennen, um für Neues offen zu sein?
- Was versuchte mich daran zu hindern, meine Ziele im Leben zu erreichen?
- Welche Überzeugung habe ich: Mit guten Werken das ewige Leben verdienen oder einen Glauben aus Gnade zu leben?
- Wie gut kenne ich mich und Gott, um ganz sicher zu sein, wann der richtige Zeitpunkt für etwas ist? Oder lasse ich mich zu häufig von äusseren Einflüssen vom Kurs abbringen?
- Welche Prioritäten gibt es für mich im Jahr 2025?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.