Impulse für den Glauben - achter Teil - IV
Wir werfen einen Blick ins Leben von Niklaus von der Flüe. In der Kategorie der „Heiligen“ hat er für die Schweiz die wichtigste Bedeutung. Er steht als Symbol für Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ein Thema, das die ganze Welt umtreibt. Und auch in unserem Leben und in unseren Beziehungen nichts an Aktualität verloren hat.
Unter anderem wird folgende Literatur bei der Erarbeitung der „Impulse für den Glauben“ beigezogen:
- Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen», Roland Gröbli, Rex-Verlag, Luzern
- Mystiker, Mittler, Mensch: 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Theologischer Verlag Zürich
Die innere Biografie von Niklaus von Flüe (2)
Die innere Biografie beleuchtet die Wahrnehmung, Bewertung und Einordnung der verschiedenen Lebensereignisse- und Erlebnisse.
Bruder Klaus fragte sich, warum sich sein gegenwärtiges Leben mit seinen persönlichen Zielen und Idealen (Familie, Beruf, Politik) nicht vereinbaren liess mit seinem Wunsch nach einem andächtigen Leben.
„Die Lilienerscheinung“ gab ihm darauf eine Antwort:
Als er nämlich zu anderer Zeit, um das Vieh zu besehen, auf die Wiese kam, setzte er sich auf die Erde und begann nach seiner Weise aus innerstem Herzen zu beten und sich himmlischen Betrachtungen hinzugeben. Plötzlich sah er aus seinem eigenen Mund eine weisse Lilie von wunderbarem Wohlgeruch emporwachsen, bis dass sie den Himmel berührte. Als aber bald darauf das Vieh vorüberkam und er ein Weilchen den Blick senkte und sein Auge auf ein besonders vortreffliches Pferd heftete, sah er, wie die Lilie aus seinem Munde über jenem Pferde sich niederneigte und von dem Tiere im Vorübergehen verschlungen wurde.
Die Lilie ist ein altes und weitverbreitetes Licht- und Königssymbol. Wegen der Dreizahl der Blütenblätter weist sie auch auf die Dreieinigkeit Gottes. In der Erscheinung Klaus von Flües war die Lilie nicht nur eine Beigabe, sondern eine handelnde, aktive Figur. Sie wuchs, während er sich „himmlischen Betrachtungen“ hingab, gegen den Himmel. Als er aber seinen Blick auf seine Herde und ein besonders schönes Pferd konzentrierte, senkte sie sich zu diesem nieder. Die Lilie, die ihm aus dem Mund wuchs, zeigt, dass Gott mit und in ihm war, solange seine Hingabe ganz auf Gott gerichtet war. Als er aber seine Konzentration wieder auf irdische Dinge lenkte, wandte sie sich der irdischen Sache zu. Er konnte nicht zwei Herren, der Welt und Gott, dienen. Er musste sich entscheiden.
Im Lukas-Evangelium lesen wir: „Ein Diener kann nicht für zwei Herren arbeiten. Er wird dem einen ergeben sein und den anderen abweisen. Für den einen wird er sich ganz einsetzen, und den anderen wird er verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich dem Mammon." (Lukas 16,13)
Weil Bruder Klaus dermassen bewusst und radikal Gott dienen wollte, war er wahrscheinlich unfähig zu merken, was Gott tatsächlich von ihm wollte. Er befand sich in einer Zerreissprobe. Er liess seinen Zweifel Taten folgen. Bruder Klaus war kein Prediger oder Missionar, er lehrte nicht durch Worte, sondern durch sein Beispiel. Sein Leben ist seine Lehre. Dazu gehören seine Abstinenz von Speise und Trank, der Abschied von Frau und Familie und das Leben in der Abgeschiedenheit. Sie waren aber letztlich nur äusserlich sichtbare Zeichen einer inneren Haltung.
Fragen zum Nachdenken:
- Gibt es in meinem Leben Erlebnisse, die einen tieferen Sinn haben? Welche sind das und kann ich daraus ein Bild für mein Leben sehen (z.B. wie dasjenige der Lilie)?
- Welche Entscheidungen im Leben sind mir besonders schwergefallen? Wie habe ich mich entschieden und waren die Entscheide richtig?
- Rückblickend auf mein Leben: Wo habe ich Spuren hinterlassen? Waren es positive Spuren?
- Wo und wie möchte ich im Jahr 2025 Segensspuren hinterlassen?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.