Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - achter Teil - III

Gebet Bruder Klaus. (Foto: Markus Zogg)

Wir werfen einen Blick ins Leben von Niklaus von der Flüe. In der Kategorie der „Heiligen“ hat er für die Schweiz die wichtigste Bedeutung. Er steht als Symbol für Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ein Thema, das die ganze Welt umtreibt. Und auch in unserem Leben und in unseren Beziehungen nichts an Aktualität verloren hat.
Unter anderem wird folgende Literatur bei der Erarbeitung der „Impulse für den Glauben“ beigezogen:
- Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen», Roland Gröbli, Rex-Verlag, Luzern
- Mystiker, Mittler, Mensch: 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Theologischer Verlag Zürich

Die innere Biografie von Niklaus von Flüe (1)

Die innere Biografie beleuchtet die Wahrnehmung, Bewertung und Einordnung der verschiedenen Lebensereignisse- und Erlebnisse.

Bruder Klaus war ein Mystiker. Mystik kann nicht erdacht oder erfunden, sondern nur erfahren werden. Der Mystiker kann nie beweisen, dass der von ihm erfahrene Gott tatsächlich existiert. Trotzdem bleibt die letzte Absicht des Mystikers die Erfahrung des Unendlichen. Bruder Klaus betrachtete das Leiden Jesu. Darin sah er, dass Jesus durch das Annehmen des Leidens und des Kreuzes das Loslassen vom Eigenwillen beispielhaft vorlebte. Es sei nicht die Betrachtungstechnik entscheidend, sondern die Haltung des Menschen. Diese bedingt, innerlich „arm“ zu werden, nämlich unbelastet, offen und frei für den göttlichen Willen. Trost finden im Leiden Christi ist ein Leitgedanke, der kennzeichnend ist bei der Mystik. Das regelmässige und intensive Betrachten des Leidens Gottes schulte sein eigenes Lebensverständnis. Bruder Klaus lernte, Wichtiges von Unwichtigem, Wesentliches von Unwesentlichem, Vergängliches von Unvergänglichem zu unterscheiden. Es ist kein Zufall, dass er auch während der Arbeit Erscheinungen und Visionen hatte.

Folgende zwei Erscheinungen waren Anstösse, die ihn in seinem gewohnten Leben störten, beunruhigten und herausforderten. Sie zeigten, dass sein gegenwärtiges Leben mit seinen persönlichen Zielen und Idealen nicht vereinbar war.

„Die Stimme aus der Wolke“: Unterwegs in das Melchtal, wo er mähen gehen wollte, habe er Gott um die Gnade gebeten, dass er ihm ein andächtiges Leben schenke. Da sei eine Wolke vom Himmel gekommen, die mit ihm redete und sagte, dass er sich in den Willen Gottes ergeben soll… Was Gott mit ihm wirken wolle, darin soll er willig sein.

„Besuch der Edelleute“: Drei wohlgestaltete Männer, die in Gewandung und Haltung einen adeligen Rang verrieten, kamen zu ihm, während er mit häuslicher Arbeit beschäftigt war. Der erste begann in folgender Weise das Gespräch: Nikolaus, willst Du Dich ganz mit Geist und Leib in unsere Gewalt geben? Jener erwiderte sofort: Niemand ergebe ich mich als dem allmächtigen Gott, dessen Diener ich mit Seele und Leib zu sein verlange. Auf diese Antwort wandten sie sich ab und brachen in ein fröhliches Lachen aus.

Im Römerbrief lesen wir: „Richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.“ (Römer 12,2)

Es gibt unzählige Dinge, mit denen wir uns beschäftigen können. Sehr dominant im Leben der meisten Leute sind Arbeit und Mediengeräte wie Natel und Fernseher. Diese lenken uns ab und füllen kurzfristig die Leere, die wir in uns spüren. Häufig rennen wir Dingen hinterher, weil wir das Gefühl haben, sonst im Leben etwas verpassen zu können, seien das Ferien, Materielles, kulturelle Veranstaltungen, Beziehungen. Der Kirchenvater Augustinus pflegte schon im 4. Jahrhundert zu sagen: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir (Gott)“. Genau das wollte auch Bruder Klaus, weg von der Ruhelosigkeit hin zu einem Leben mit dauerhafter Sinnerfüllung in Gott.

Fragen zum Nachdenken:
- Rückblickend auf das bisherige Leben: Was waren unwichtige Dinge, mit denen ich mich beschäftig(t)e? Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit sind wesentlich für mein Leben heute?
- Welchen Stellenwert hat Geld und Besitz in meinem Leben?
- Wie viel besitze ich? Von was könnte ich mich auch gut trennen?
- Welche Erfahrung habe ich selber gemacht mit „weniger ist mehr“?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 23.01.2025