Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - achter Teil - II

Gebet Bruder Klaus. (Foto: Markus Zogg)

Wir werfen einen Blick ins Leben von Niklaus von der Flüe. In der Kategorie der „Heiligen“ hat er für die Schweiz die wichtigste Bedeutung. Er steht als Symbol für Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ein Thema, das die ganze Welt umtreibt. Und auch in unserem Leben und in unseren Beziehungen nichts an Aktualität verloren hat.
Unter anderem wird folgende Literatur bei der Erarbeitung der „Impulse für den Glauben“ beigezogen:
- Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen», Roland Gröbli, Rex-Verlag, Luzern
- Mystiker, Mittler, Mensch: 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Theologischer Verlag Zürich

Das kurze und einprägsame Gebet von Niklaus von der Flüe

«O myn got unde min here nym mich mir und gyb mich gancz zcu eygen dyr.»
«O myn got und myn here nym von myr alles das mich hynert gegen dyr.»
«O myn got unde myn here gyb myr alles das mich furdert zu dyr. Amen.»


Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.

Diese obige Version entspricht zwar der ältesten Fassung, ist aber bemerkenswerterweise bei weitem nicht die Populärste, welche folgende ist:

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir, und gib mich ganz zu eigen dir.

In der Schweiz gilt Niklaus von der Flüe als Friedensstifter. Aus seinem Gebet klingt grosses Gottvertrauen «Mein Herr und mein Gott». Das Gebet beginnt sehr persönlich und anerkennt, dass es eine Autorität über uns gibt, der wir unterordnet sind. Es gibt eine Instanz über uns Menschen. Ich bin nicht mein eigener Chef. Dieser Herr ist kein Kaiser und König, der in einem Schloss vor allem sein Wohl im Blickfeld hat. Er ist auch kein moderner Manager, der den Bezug zur Lebenswelt seiner Arbeit komplett verloren hat. Nein, dieser Herr hält das Schicksal der ganzen Welt in seiner Hand. Er ist ein liebender, verantwortungsvoller und gütiger Vater.

Fragen zum Nachdenken:
- Wer und wie ist Gott für mich?
- Was hindert mich daran, im Alltag an Gott zu denken?
- Was stellt sich mir in den Weg, was lenkt mich davon ab, meine Seele vor Gott ausruhen zu lassen? Die tägliche Hast und Hetze? Dort wo ich unfrei bin? Wenn ich Menschen lieblos behandle, mir keine Zeit für sie nehme?

Es folgen drei Bitten an Gott, die darauf fokussieren, was das Wesentliche für unsere Existenz und unsere Beziehung zu unserem Schöpfer und Erlöser sind.

«Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir», heisst es weiter. Wenn Jesus Christus das Wesentlichste in meinem Leben sein soll, dann muss zuerst alles weg, was diese Beziehung stört oder blockiert.

Fragen zum Nachdenken:
- Könnten es folgende Dinge sein? Falsche Vorstellungen von Gott, Misstrauen gegen Gott, Sünde, ungesunde Bindungen (an Personen, an den Zeitgeist, schlechte Gewohnheiten, Süchte, …), multimediale Zerstreuung (TV, Internet, …), Egoismus, Materialismus, Zeitmangel, Sorgen und Ängste, Bequemlichkeit, Resignation?

«Gib alles mir, was mich führet zu dir». Wenn das weg ist, was meine Beziehung zu Gott hindert und blockiert, dann ist das nächste Anliegen, dass Gott mir alles gibt, was mich näher zu ihm bringt.

Fragen zum Nachdenken:
- Könnten es folgende Dinge sein? Liebe, Vergebung, Vergebungsbereitschaft, Glauben und Vertrauen, Führung durch den Heiligen Geist, offenes Herz für Gott, offenes Herz für die Mitmenschen, Zeiten der Stille für die Begegnung mit Gott, Interesse an der Bibel und Verständnis für ihre Aussagen, Gemeinschaft mit anderen Christen, Lernbereitschaft, Korrekturbereitschaft, Leidensbereitschaft, Dienstbereitschaft?

«Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir». Es geht um mich als Person und nicht mehr um Dinge. Es ist eine Bitte von tiefer biblischer und göttlicher Wahrheit, die man erfahren kann. Es ist eine lebenslange Herausforderung, wie sie schon der Apostel Johannes zum Ausdruck gebracht hatte: «Er (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen» (Johannes 3,30). Wenn ich mein Ego und die kurzsichtigen Wünsche und Begehrlichkeiten loslasse, dann gewinne ich mein wahres Ich, meine Identität, meine Berufung und meine Lebenserfüllung in Gott. Dann werden meine tiefsten Sehnsüchte gestillt. Dann ist Gott wirklich Gott und ich wirklich ich.


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 16.01.2025