Markus Rosenfelder

Impulse für die Advents- und Weihnachtszeit 2024 - III

Buch Hoffnung leuchtet wie ein Stern (Foto: Markus Zogg)

In dieser Advents- und Weihnachtszeit dürfen wir mit der freundlichen Genehmigung des Herder-Verlages Impulse aus dem Büchlein "Hoffnung leuchtet wie ein Stern" auf unserer Homepage publizieren. Wir wünschen allen gesegnete Tage!
Die Botschaft des Adventskalenders
Andrea Schwarz

Vor einigen Jahren habe ich für mich neu den Adventskalender als Begleiter durch diese Tage entdeckt. Lange Zeit fühlte ich mich „zu erwachsen“ für so etwas, hätte es weit von mir gewiesen, mir einen Adventskalender in die Wohnung zu hängen. Und leicht schmunzelnd hätte ich mich höchstens an eine Begebenheit aus meinen Kindertagen erinnert: Mein Bruder und ich hatten beide einen Adventskalender geschenkt bekommen, der mit Schokoladenfigürchen gefüllt war. An einem Vormittag, als er in der Schule war, nutzte ich die Gelegenheit und futterte seinen Adventskalender leer. Meinen dagegen liess ich ungeschoren – die Idee, für jeden Tag etwas zu haben, leuchtete mir wohl auch damals schon ein. An die Reaktionen meiner Eltern und meines Bruders erinnere ich mich nicht mehr so genau – das wird wohl auch seinen Grund haben –, aber ich glaube, wir mussten dann die Kalender untereinander tauschen. Das ist lange her, und ich staune eigentlich, dass sich diese Szene so in mir festgesetzt hat.

Heute sind mir Adventskalender Wegbegleiter durch eine Zeit der dunklen Wochen. Ich freue mich daran, wie im Laufe der Tage, durch jedes Öffnen eines Türchens, ein vordergründiges Bild durch kleine Bildchen, die im wahrsten Sinne des Wortes „dahinter“ liegen, bereichert wird. Es ist eine Art Entdeckungsfahrt: Was mag noch alles dahinter verborgen sein? Aus einem grossen Bild wird ein Rahmen, in dem viele kleine Bilder aufscheinen. Und genau das scheint mir eine wichtige Botschaft zu sein, die der Adventskalender mir sagen will: Es gibt ein vordergründiges Bild, das in sich geschlossen und schön erscheinen mag. Wenn ich mich aber auf die Suche begebe, auf die Suche nach dem Leben, die Suche bei einem Menschen, die Suche in mir, mir die Mühe mache, Türen und Türchen behutsam zu öffnen, dann bekommt dieses grosse, scheinbar in sich geschlossene Bild plötzlich neue Facetten, andere Blickwinkel ergeben sich, das Ganze wird bunter.

Manchmal frage ich mich am Morgen, wenn ich an meinem Adventskalender das entsprechende Türchen aufgemacht habe: Welche Tür des Lebens, welche Tür bei einem Menschen, welche Tür bei mir werde ich heute öffnen? Der Adventskalender lehrt mich, dass ich manchmal diese Türen wirklich erst suchen muss. Da ist das vordergründige Bild so mächtig, dass ich die kleine Tür mit der entsprechenden Zahl gar nicht finde.

Und: Die Türen haben ihre ganz eigene Reihenfolge. Es ist reizvoll für mich, dass ich über 23 Tage hinweg die Tür mit der „24“ sehe – und doch nicht öffnen „darf“. Es gilt, einen Schritt nach dem anderen zu tun, nicht den vierten Schritt vor dem zweiten. Das bedarf der Geduld, das Aushalten der Spannung, der Disziplin, der Genügsamkeit, mich mit dem zufriedenzugeben, was dieser Tag für mich bereithält.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, so heisst es in einem schönen alten Adventslied. Ich will diese Tage dazu nutzen, Türen in mir aufzumachen, als Einladung für Gott und die Menschen.

Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.
2. Korinther 4,6



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Aus dem Buch „Hoffnung leuchtet wie ein Stern“ (2012); ISBN 978-3-451-31058-4
Mit freundlicher Genehmigung des Herder-Verlages
Bereitgestellt: 19.12.2024