Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - siebter Teil - XV

Buch Glauben Wozu (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:

„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.

Brunnen Verlag, Giessen
Religion hat mehr zu bieten, als man meint
Zufriedenheit, die nicht an Umstände gebunden ist (3)

Die Unzufriedenheit verstehen

Wir Menschen wollen etwas, das nichts im Leben uns geben kann. Wenn wir es dennoch suchen, können wir getrieben, bitter oder voller Selbsthass werden. Wenn wir uns dagegen abhärten, damit es uns nicht mehr stört, schaden wir unserem Menschsein und anderen um uns herum.

Der US-amerikanische Psychologe Jonathan Haidt ist der Meinung, dass wir Menschen mehr Freude daran haben, auf ein Ziel hinzuarbeiten, als es wirklich zu erreichen. Haben wir uns etwas vorgenommen und dies schon erreicht, bleibt ein Gefühl von Leere zurück. Das, was wir für eine gewisse Zeit „geliebt“ haben, ist zu einem Ende gekommen. Es kann sein, ein Haus zu bauen, ein Auto zu kaufen, den Garten für den Winter bereit zu machen oder Einkäufe zu tätigen. Wo Materielles höher gewichtet wird als menschliche Beziehungen, bleiben die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse auf der Strecke.

Der grosse christliche Philosoph Augustinus (1) kam zum Schluss, dass unsere Unzufriedenheit darin liegen muss, dass unsere Liebe gestört ist. Er lehrte, dass wir nicht am tiefsten dadurch geprägt werden, was wir glauben, denken oder tun, sondern was wir lieben. Augustinus sieht nicht nur den Mangel an Liebe als Ursache unserer Unzufriedenheit, sondern auch eine Vernachlässigung der Ordnung, die unserem Herzen gegeben ist, indem wir Unwichtiges mehr lieben und Wichtigeres weniger. Es ist nichts falsch daran, seine Arbeit und seine Hobbies zu lieben. Aber wenn diese höher gewichtet werden als die Familie, ist der Bezug zur Liebe in Unordnung. Oder wenn das Geld im Leben einen höheren Stellenwert einnimmt als Gerechtigkeit, dann kann es sein, dass die Mitmenschen darunter leiden.

Wenn wir unsere Kinder, Partner, Arbeit und Karriere mehr lieben als Gott, wird unser Bedürfnis nach Bedeutung und Sicherheit letztlich auf ihnen ruhen. Sie werden zur tiefsten Quelle unseres Glücks. Nichts auf dieser Welt und kein Mensch kann aber diesem Anspruch gerecht werden. Es wird letztlich zum Zusammenbruch von Körper und Beziehungen führen.

Im Matthäus-Evangelium 22,34-40 lesen wir, wie die Schriftgelehrten zu Jesus kamen und ihn fragten, was das wichtigste Gebot sei. Jesus antwortete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das grösste und wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!“

(1) Aurelius Augustinus (354-430) war Rhetoriklehrer, bevor er Priester und später Bischof an der nordafrikanischen Küste wurde.

Fragen zum Nachdenken
- Mache ich auch die Erfahrung, dass ich etwas suche, was nichts im Leben mir geben kann?
- Was ist es, was ich suche?
- Welche „Luftschlösser“ habe ich mir in meinem Leben aufgebaut?
- Habe ich auch eine Art Zusammenbruch von Körper und Beziehungen erlebt, weil ich meine Prioritäten anderweit gesetzt habe? Haben mich diese Erfahrungen näher zu Gott gebracht?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 21.11.2024