Impulse für den Glauben - siebter Teil - XIV
In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:
„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.
Brunnen Verlag, Giessen
Religion hat mehr zu bieten, als man meint
Zufriedenheit, die nicht an Umstände gebunden ist (2)
Der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis (1898-1963) sagte einmal in seiner BBC-Radiosendung:
„Hätten wir gelernt, richtig in unseren Herzen zu lesen, dann wüssten wir, dass in uns ein … heftiges Verlangen ist, dass durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann. Es gibt vieles auf der Erde, das ihm gerecht zu werden scheint, aber es bleibt immer ein Rest von Enttäuschung. Die Sehnsucht, die uns ergreift, wenn wir uns zum ersten Mal verlieben, wenn wir an ferne Länder denken oder am Anfang eines interessanten Studiums stehen, wird durch keine Ehe, keine Reise und kein Studium wirklich gestillt. Ich spreche hier nicht von unglücklichen Ehen, verpfuschten Ferien oder verpatzten Karrieren, nein, ich spreche von den besten, die es geben kann. Da war etwas; und im ersten Erwachen der Sehnsucht wollten wir danach greifen und es festhalten. Doch immer wieder entgleitet es unseren Händen … Das Letzte, das Eigentliche entzieht sich uns.“
Was tun wir also, wenn wir entdecken, dass uns dieses Eigentliche, dieses gewisse „Etwas“ fehlt, von dem wir nicht wissen, was es ist? Es gibt zwei Wege, mit diesem Problem umzugehen:
1. Wir halten die Hoffnung aufrecht, dass Zufriedenheit möglich ist und es dieses „Etwas“ noch irgendwie gibt.
Normalerweise starten Menschen in ihr Erwachsenenleben voller Hoffnung. Doch mit den Jahren werden immer mehr Lebensträume relativiert. Nur über diesen Berg oder um jene Kurze, dann wird alles super… Mit der Zeit stellen wir fest, dass wir bei diesem „Etwas“ nie ankommen. Die Schuld wird auf die Hindernisse geschoben: „Wenn … nicht gewesen wäre, wäre ich jetzt glücklich.“ Wir erfinden unser Leben immer wieder neu mit anderen Dingen (Häusern, Partnern, Jobs…), getrieben von unerreichbaren Zielen. Irgendwann sind wir dann zu erschöpft, um weiterzumachen. Dann suchen wir die Schuld bei uns selbst: „Mit mir stimmt etwas nicht – ich war nicht gut genug.“ Der Tag kommt und wir machen uns bewusst, dass wir schon 40 oder mehr sind und unser bisheriges Leben wenig Ähnlichkeit mit dem hat, was wir eigentlich immer wollten. Dann nähern wir uns immer mehr dem anderen der beiden Wege:
2. Wir halten es für unmöglich, dass Zufriedenheit möglich ist und es dieses „Etwas“ nicht geben kann.
Wenn wir mit unserer persönlichen Selbstverwirklichung nicht zum Ziel gekommen sind, müssen wir uns an die Gegebenheiten anpassen. Wir beginnen, uns verstärkt sozial zu engagieren, um wenigstens die Lebensumstände anderer Menschen verbessern zu können. Wir meinen: Anstatt etwas für uns selbst verbessern zu wollen, ist es sehr viel befriedigender, wenn wir uns für andere einsetzen. Ironischerweise ist dieser Ansatz ebenfalls extrem selbstbezogen. Wenn wir grosszügig und sozial aktiv werden, um für uns selbst mehr Erfüllung zu finden, dient dies eigentlich nur dem eigenen Ego und kann schnell mal zu Zynismus führen: „Ich habe meine Erwartungen an das Leben gesenkt und jage keinen Luftschlössern mehr nach. Ich habe gelernt, das zu geniessen, was ich habe. Damit komme ich gut zurecht.“ Dieser Standpunkt tönt zwar vernünftig, weckt aber fast immer ein gewisses Mass an Herablassung gegenüber jedem, der nicht so intellektuell ist wie man selbst. Und so distanzieren wir uns unbewusst erneut von dem, was wir eigentlich bezwecken wollen.
Fragen zum Nachdenken
- Wenn ich auf mein Leben zurückblicke: Wiederfinde ich mich in dieser sinnlosen Abwärtsspirale?
- Habe ich einen Weg aus dieser Abwärtsspirale gefunden? Wie lautete dieser?
- Wie und wann habe ich in meinem Leben Gutes getan? Was hat es bewirkt?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.