Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - siebter Teil - XIII

Buch Glauben Wozu (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:

„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.

Brunnen Verlag, Giessen
Religion hat mehr zu bieten, als man meint
Zufriedenheit, die nicht an Umstände gebunden ist (1)

Der US-amerikanische Psychologe, Jonathan Haidt(1) fasst das biblische Buch Prediger, das von Unzufriedenheit, Sinnlosigkeit und Verzweiflung erzählt, wie folgt zusammen: „Der Autor… kämpfte nicht einfach mit der Angst der Sinnlosigkeit; er kämpfte mit der Enttäuschung des Erfolges… Nichts stellte ihn zufrieden.“ Die Forschung bestätigt das: Je wohlhabender eine Gesellschaft, desto höher die Zahl an Depressionen. Die Dinge, von denen Menschen Erfüllung und Zufriedenheit erwarten, lösen die Erwartungen nicht ein. Wie können wir also glücklich werden?

Auch der römische Dichter Horaz fragte schon damals: „Wie kommt es …, dass niemand mit seinem Zustand zufrieden ist… und jeder meint, seine Situation sei die schlimmste?“ Und auch heute könnten wir bestätigen: Dinge wie Reisen, materielle Güter, sinnliche Freuden, Erfolg oder Status verschaffen nur kurzfristiges Vergnügen. Sie vergehen wieder und hinterlassen einen leerer, als wenn man diese Freude nie geschmeckt hätte. Wenn wir also die Zufriedenheit suchen, dann sollten wir nicht die Welt verändern, sondern unsere Einstellung dazu.

Haidt ist der Meinung, dass wir in den industrialisierten Ländern die Warnungen unserer Vorfahren und der Forschung zu wenig ernst nehmen. Die moderne Kultur treibt nach wie vor dazu an, Glück und Zufriedenheit durch aktive Bemühungen zu finden, sein Leben zu verändern, und es nicht einfach anzunehmen, wie es ist. Wir meinen, in Sachen Glück Fortschritte gemacht zu haben. Aber das Gegenteil ist der Fall. Unser Ringen um Glück ist erfolgloser als das unserer Vorfahren, wenn wir den Anstieg an Depressionen und Selbstmord als Indikator nehmen.

Wenn wir unseren Zustand besser erfassen wollen, sollten wir nach Freude, Erfüllung und Zufriedenheit im Leben fragen. Wir wollen Erfüllung, die nicht nur bleibt, sondern auch tiefer geht. Wenn wir nach und nach entdecken, dass nichts uns erfüllen kann, werden wir gefühlloser, stumpfer, zynischer und können dem Leben nicht mehr so freudig entgegensehen.

Fragen zum Nachdenken
- Steht es um uns Menschen wirklich so pessimistisch? Oder gibt es irgendwo und irgendwie Hoffnung?
- Welchen Dingen in meinem Leben bin ich „nachgerannt“? Was hat mir Glück und Erfüllung gebracht?
- Welchen Lebens-Tipp würde ich den Jungen von heute geben, wenn es darum geht, Freude, Erfüllung und Zufriedenheit im Leben zu erlangen?

(1) Jonathan Haidt (* 1963) gehört zu den einflussreichsten Psychologen und zu den am meisten zitierten Forschern der Moral- und Politikpsychologie.


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 07.11.2024