Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - siebter Teil - XII

Buch Glauben Wozu (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:

„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.

Brunnen Verlag, Giessen
Religion hat mehr zu bieten, als man meint
Ein Sinn im Leben, den Leid einem nicht nehmen kann (4)

Das Ende der Sinnlosigkeit

Es ist klar, subjektiver Sinn, den man sich selbst gesucht hat, kann dem Leben gut dienen. In den letzten Impulsen konnten wir aber auch feststellen, dass die Fokussierung auf das diesseitige Glück sehr zerbrechlich ist. Viele Christen machen die Erfahrung, dass gründliche Reflexion und persönliches Leid die Sinnhaftigkeit ihres Lebens nicht zerstören, sondern sie tiefer erschliessen lässt.
Der christliche Glaube unterscheidet sich in seiner Sinngebung von anderen Religionen. Das macht einen Teil seines inneren Reichtums aus. Anders als z.B. im Buddhismus ist Leiden nach christlicher Vorstellung eine furchtbare Realität. Es ist keine Illusion, die man mit stoischer Distanzierung hinter sich lassen soll. Anders als der antike Fatalismus (z.B. die griechischen Stoiker) oder andere Schamkulturen sieht der christliche Glaube im Leiden auch nichts besonders Edles, was man begrüssen sollte. Doch im Gegensatz zum Säkularismus sagt der christliche Glaube, dass Leid nicht sinnlos ist, sondern einem etwas Wichtiges bringen kann.

Das alttestamentliche Buch Prediger ist berühmt für seine Suche nach einem Sinn im Leben. Es beginnt mit dem Schrei: «Es ist alles sinnlos und bedeutungslos – ja, es ist alles völlig sinnlos.» Wie sollen wir das Leben auf der Erde sehen, wenn wir die Existenz des Übernatürlichen, von Gott, ablehnen? Der Mensch sucht nach einem Weg, all sein Glück in den Grenzen dieser sichtbaren Welt zu finden. Er erforscht sinnliches Vergnügen, Philosophie und Erfolg. Doch nichts davon kann ihm angesichts der Realitäten des Lebens und des Todes einen Sinn geben.
Das Buch Prediger ist rätselhaft, schwierig, faszinierend und wirkt ungeheuer aktuell. Es passt zur ganzen Linie der Bibel. Wenn «Leben unter der Sonne» wenig Sinn hat, dann erleben wir alle etwas von seiner Ödnis und Entfremdung, weil wir alle von einer direkten Beziehung zu Gott abgeschnitten sind, zu der wir geschaffen wurden. Christliche Lehre besagt, dass unsere Sünde und Selbstbezogenheit die Menschheit von der Gegenwart und Liebe Gottes entfernt. Deshalb ringt jeder ab und zu mit dem Gefühl der Sinnlosigkeit.
Doch als Jesus am Kreuz schrie: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (Matthäus 27,46), nahm er nach christlicher Vorstellung die Strafe für unsere Sünde auf sich und erlebte die Dunkelheit – die Sinnlosigkeit – eines Lebens ohne Gott. Am Kreuz erlebte Jesus Leben ohne Gott, damit wir Leben mit Gott haben können.

Fragen zum Nachdenken
- Plagen mich manchmal auch Gefühle der Sinnlosigkeit?
- Woher kommen diese und wie gehe ich damit um? Versuche ich diese zu verdrängen oder gehe ich diesen auf den Grund?
- Welche Erfahrungen habe ich mit Leiden gemacht? Hat mir der Glaube dabei geholfen?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 31.10.2024