Impulse für den Glauben - siebter Teil - IX
In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:
„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.
Brunnen Verlag, Giessen
Religion hat mehr zu bieten, als man meint
Ein Sinn im Leben, den Leid einem nicht nehmen kann (1)
Es gibt vielleicht keine wichtigere Frage als die nach dem Sinn des Lebens.
Doch viele Denker halten diese Frage für falsch. Nach dem Sinn zu fragen sei sinnlos. Leben kann keinen Sinn an sich haben. Der Philosoph Thomas Nagel meint, dass das Grab das einzige Ziel des Lebens sei. Also sei es lächerlich, uns so ernst zu nehmen. Es müsse reichen, das Leben so zu nehmen wie es sei, und so gut zu geniessen wie möglich. Aus philosophischer Perspektive kann man solche Behauptungen schon in die Welt setzen. Fragt man Menschen, ob sie über den Sinn des Lebens nachdenken, antworten weltweit ungefähr drei Viertel mit «oft» oder «manchmal». Das Wort Sinn kann zwei Nuancen haben. Die erste hat mit Ziel, Zweck zu tun und meint die Absicht («Welchen Sinn hat es, sich jetzt noch anzustrengen?»). Die zweite hat mit der Bedeutung (etwas hat einen bestimmten Sinn). Wenn Menschen sagen, dass sich ihr Leben sinnlos anfühlt, muss nicht mit unangenehmen Umständen zu tun haben. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, wofür man das alles macht. Einen Sinn im Leben zu haben heisst also, von einem übergreifenden Sinn zu wissen und die Sicherheit zu haben, dass man etwas bewirkt, weil man einem guten Ziel dient, das über einen selbst hinausgeht. Einfach nur existieren, sicher untergebracht und ernährt zu werden erscheint uns leer und sinnlos. Was brauchen wir den, damit sich das Leben bedeutsam anfühlt? Wir alle suchen einen Grund, der ausserhalb unserer selbst liegt. Wir wollen einen Sinn in den Dingen finden, die wir tun. Albert Camus (1913-1960), einer der bekanntesten und bedeutendsten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts schrieb dazu:
«Wir möchten den Menschen, die wir lieben, Gutes tun, doch nichts bleibt, weder unsere Taten noch die Menschen… Wir wünschen, dass die Liebe dauert, und wissen, dass sie nicht dauert; sollte sie wunderbarerweise ein ganzes Leben andauern, so wäre sie immer noch unvollendet…» Wir wollen einen Sinn in den Dingen finden, aber das Universum spielt nicht mit. Camus vergleicht es mit dem Mythos des Sisyphos. Der Felsen wird den Berg hinaufgerollt, nur um dann zu sehen, wie er unvermeidlich wieder nach unten rollt. Vergebene Mühe. Alles umsonst. Dieses Gefühl schweb wie ein Damokles-Schwert über der Menschheit. Alles scheint sinnlos.
Doch gegen diese Krise, die von vielen Künstlern und Philosophen im späten 19. und im 20. Jahrhundert empfunden wurde, wehren sich viele im 21. Jahrhundert. Die Devise lautete: Such keinen Sinn im Leben – schaff dir einfach einen!
Fragen zum Nachdenken
- Was ist der Sinn des Lebens?
- Welche Dinge tue ich, die mich mit Freude und Dankbarkeit erfüllen?
*Albert Camus war Schriftsteller, Philosoph, Religionskritiker; 1957 erhielt er für sein publizistisches Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur.
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.