Impulse für den Glauben - siebter Teil - VIII
In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:
„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.
Brunnen Verlag, Giessen
Wozu Religion?
Beruht Religion nicht auf Glauben und säkulares Denken auf Wissen? (3)
Warum ist es nicht möglich, die moralischen Werte der westlich-liberalen, säkularen Kultur zu behalten, wenn wir nicht mehr an Gott oder die Bibel glauben? Diese christlichen Moralvorstellungen stehen in direktem Zusammenhang zum Verständnis, dass hinter der Welt ein persönlicher Gott steht, der voller Liebe zu uns Menschen ist. Deshalb wird für die Menschenrechte gekämpft, für den Einsatz für alle Schwachen und Armen.
Niemand hat das klarer gesehen als Nietzsche. Seine grosse Erkenntnis war: Wenn es keinen Gott oder übernatürlichen Bereich gibt, dann gibt es auch keinen solchen Wertemassstab. In Gesellschaften, wo Gott keine Rolle mehr spielt, wird die Moral selbst zum «Problem» werden. Es wird immer schwerer werden, Moral zu begründen. Menschen werden selbstbezogener werden und nur noch durch Zwang gesteuert werden können. Nietzsche spricht von einem sogenannten «Übermensch» mit einem «edlen Geist». Warum aber soll der «edle Geist» edel sein? Warum ist es gut, mutig zu sein, und wer sagt das? Warum ist es schlecht, inkonsequent zu sein? Woher kommen solche moralischen Werte? Mit welchem Recht belegt Nietzsche in seiner eigenen Philosophie die eine Lebensweise mit «edel» oder «gut» und andere als «schlecht»? Er tut also selbst, was er allen anderen verbietet, nämlich eine andere Ansicht zu verurteilen. Dieses Phänomen kann z.B. auch bei Diskussionen zwischen Atheisten und Christen beobachtet werden. Wenn der Atheist einem Christen Fundamentalismus vorwirft, weil dieser das Recht auf Leben schützen möchte oder eine eigene Meinung in der Gender-Thematik hat, urteilt der Atheist eigentlich über sich selbst, denn auch ein Atheist argumentiert auf der Basis seines ideologischen Fundaments und ist somit selbst ein Fundamentalist.
Wir können erkennen, dass Menschen den Glauben an Gott nicht aus rein rationalen Beweggründen annehmen oder ablehnen. Ebenfalls können wir feststellen, dass moralische Werte immer auch auf Glaubensüberzeugungen gründen, hinter denen unsere kulturelle Geschichte steht. Worauf baut eine Gesellschaft auf? Wenn auch Bundesräte davon sprechen, dass die Präambel in der Bundesverfassung «Im Namen des Allmächtigen…» veraltet und gestrichen werden sollte, dann ist definitiv die Absicht da, dass Gott keinen Platz mehr haben soll in unserer Gesellschaft, Politik und Kultur. Es wird das Gute des Menschen hervorgehoben. Der Mensch soll gut sein? Wer kann dies angesichts der anschwellenden Konflikte in der Welt behaupten? Wo bleibt da der Menschenverstand? Eigeninteressen stehen im Vordergrund.
Fragen zum Nachdenken
- Wo finden wir in unserer Gesellschaft in der Schweiz noch Hinweise auf biblische Werte?
- Welche Werte sind mir selber wichtig?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.