Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - siebter Teil - VI

Blaise Pascal (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:

„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.

Brunnen Verlag, Giessen
In Anlehnung an unser Buch folgt nun ein dreiteiliger Beitrag zu Blaise Pascal (1623-1662), dem französischen Mathematiker, Physiker, intellektuellen Schriftsteller, Erfinder und christlichen Philosophen.

Der erste Teil schildert "Ein Abriss seines Lebens", der zweite Teil "Sein Vermächtnis für den christlichen Glauben", und der dritte Teil seine logische Abfolge zur Verteidigung des Christlichen Glaubens.

Blaise Pascal - 2. Teil: Sein Vermächtnis für den christlichen Glauben

Blaise Pascal konnte durch seinen frühen Tod die geplante grosse Apologie nicht fertigstellen. Er hinterliess nur Notizen und Fragmente, rund 1000 Zettel in rund 60 Bündeln. Die Forschung trennte sich erst um 1930 von dem etablierten Irrtum, dass Pascals Zettel nicht geordnet gewesen seien. Man merkte, dass sich seine Notizen als homogener und geordneter herausstellten als bisher angenommen. Die daraus entstandenen 28 Kapitel zeigen den Weg auf, den Pascal in der Argumentation seiner Verteidigung des Christentums verfolgen wollte. Die Apologie ist zweigeteilt. Der erste Teil handelt vom Elend des Menschen ohne Gott. Im zweiten Teil wird die Glückseligkeit des Menschen mit Gott hervorgehoben. Die Einheit seines Denkens basiert auf einer mathematischen und theologischen Grundlage. Während einer Epoche, die bereits klar auf der Trennung von Glauben und Wissen bestand, vertrat Pascal in seinem Leben und Werk das Prinzip der Einheit allen Seins. Für ihn bedeutete die Beschäftigung sowohl mit naturwissenschaftlichen Problemen als auch mit philosophischen und theologischen Fragen keinerlei Widerspruch. Das alles diente ihm zur unmittelbaren Vertiefung seiner Kenntnisse. Nur das Zusammenspiel von Verstand und Herz könne Grundlage menschlichen Erkennens sein. Bis heute gilt Pascal als wortgewaltiger Verteidiger des Christentums und Verfechter einer tiefen christlichen Ethik. Sogar der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900) fand für Pascal meist lobende Worte: «Pascal, den ich beinahe liebe, weil er mich unendlich belehrt hat: der einzige logische Christ“. Nietzsche sah in ihm einen würdigen Gesprächspartner und eine inhaltliche Verbindung zu ihm. Trotzdem prägte Nietzsche den Satz: «Gott ist tot».

Blaise Pascal war ein Wunderkind. Ein Genie. Und ein Kind des 17. Jahrhunderts, in dem sich die Entdeckungen der Naturwissenschaften überstürzten. Galilei hatte bewiesen, dass die Planeten um die Sonne kreisen, das Fernrohr wurde erfunden, die Schallgeschwindigkeit bestimmt, Newton arbeitete an der Gravitationstheorie. Das hatte Folgen für das Weltbild der Menschen. Mit den Mitteln der Vernunft, so schien es damals, liessen sich auch die letzten Geheimnisse der Welt lösen, wenn man nur richtig vorging. Für Pascal war klar, dass der Verstand nicht alles ist, womit man die wissenschaftlichen Rätsel der Welt lösen kann. Für ihn gehörte der Glaube ebenso dazu wie die Wissenschaft. Für ihn ist klar, dass es Fragen gibt, die mit der Vernunft nicht lösbar sind. Es sind gerade die Fragen, die den Menschen existentiell betreffen. Gott zum Beispiel. Ob er existiert oder nicht. Dies lasse sich nicht beweisen. Wenn es Gott geben würde, könnten wir ihn nicht erkennen. Für ihn steht fest: Ob wir an Gott glauben oder nicht, können wir nicht von der Existenz Gottes abhängig machen. Pascal war ein zutiefst gläubiger Mensch. Aber Gott war für ihn nicht eine Sache der Erkenntnis, sondern der Offenbarung. Er selbst hatte Gott gefunden. In der Nacht des 23. November 1654 in seiner Pariser Wohnung. Es war eine mystische Gotteserfahrung. Er nähte das Stück Pergament, auf das er die Erfahrung notiert hatte, ins Futter seines Mantels, um es immer bei sich zu haben. Diese Erfahrung liess ihm zur Gewissheit werden: Es gibt ihn, den alleinigen wahren Gott. Nicht den Gott der Philosophen und der Gelehrten, sondern den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Der Gott, von dem er nun wusste: Er ist nicht über das Denken zu finden, sondern nur auf den Wegen, die das Evangelium lehrt. In einem seiner Gedankennotizen heisst es: «Das Herz hat Gründe, von denen die Vernunft nichts weiss.»

Markus Zogg, Sozialdiakon

Quellen:
https://wikipedia.org/wiki/Blaise_Pascal (letztmals abgerufen am 31.8.2024)
NZZ Feuilleton vom 14.7.2019 (Thomas Ribi)



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Bereitgestellt: 19.09.2024