Impulse für den Glauben - siebter Teil - III
In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:
„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.
Brunnen Verlag, Giessen
Wozu Religion?
Beruht Religion nicht auf Glauben und säkulares Denken auf Wissen? (1)
Die Medien unserer Zeit sind voller Geschichten von Menschen, die sich von Gott abgekehrt haben. Im Vordergrund stehen häufig der Beweismangel und der Drang, mit dem Problem des Bösen in einer Welt fertigzuwerden, die behautet, dass die Welt unter der Leitung eines guten, allmächtigen Gottes stehen würde. Hinter diesen Geschichten versteckt sich die Meinung, dass religiöse Menschen in blindem Glauben leben, während Säkulare und Nichtgläubige ihren Standpunkt auf Vernunft und Beweise gründen. Nur was beweisbar ist, ist es wert, als wahr bezeichnet zu werden; alles andere ist unzuverlässig. So lautet der Tenor. Der britische Mathematiker und Philosoph William Kingdon Clifford beschrieb in seinem berühmten Essay „The Ethics of Belief“ (1877, „Die Ethik des Glaubens“): „Es ist immer, überall und für jeden falsch, an irgendetwas zu glauben, ohne ausreichende Beweise“. Aber Halt: Wo ist denn der wissenschaftliche Beweis für seine Behauptung? Im Internet findet man unzählige Aufrufe von Atheisten, die religiöse Menschen auffordern: „Wenn du willst, dass ich an Gott glaube, dann musst du seine Existenz beweisen.“ Doch inzwischen hat man erkannt, dass dieser Ansatz unüberwindbare Probleme mit sich bringt. Zum Beispiel sind die wenigsten unserer Überzeugungen über die Wahrheit wissenschaftlich beweisbar. Was ist Wahrheit? Das fragte damals schon Pontius Pilatus, als er Jesus verhörte wurde und behauptete, in die Welt gekommen zu sein, um „Zeugnis für die Wahrheit“ abzulegen (Johannes 18,39). Es bleibt offen, was Pilatus mit seiner Frage bewirken wollte. Brachte er damit eine weltanschauliche Neutralität von Staat und Verwaltung zum Ausdruck? Oder war es Spott? Oder gar eine Hinterfragung der Möglichkeit, Wahrheit richterlich feststellen zu können? Auf jeden Fall wurde die Behauptung Jesu zurückgewiesen, was uns Christen zu denken geben sollte.
Denken und Beweisen beginnt mit dem Glauben an die Vernunft und einer bestimmten Vorstellung davon, wie Beweise auszusehen haben. Dass es Gott gibt oder nicht gibt, beinhaltet einen Glaubensschritt. Ebenfalls stellt die Behauptung, dass Wissenschaft der einzige Schiedsrichter der Wahrheit ist, einen Glaubenssatz dar, und ist keine wissenschaftliche Erkenntnis.
Michael Polanyi (1891-1976), ein ungarisch-britischer Chemiker und Philosoph, der der Meinung ist, dass jeder Mensch unzählige Annahmen übe die Realität und ihre Bedeutung hat, die entweder durch leibhaftige Erfahrungen erworben wurden oder durch Autoritäten, denen wir vertrauen, in Gemeinschaften, denen wir angehören. Das Problem des Bösen ist ein gutes Beispiel für den Einfluss dieser Grundüberzeugungen. Viele moderne Argumente gegen Gott bauen auf der Existenz des Bösen auf. Es könne keinen Gott jenseits unserer Vernunft geben. Wie kann ein liebender Gott Leid zulassen? Daher könne es ihn nicht geben. So ist eine neue Art Glauben entstanden. Der Glaube an die Macht des menschlichen Verstandes und seine Fähigkeit, Dinge in ihrer Tiefe zu verstehen.
Fragen zum Nachdenken
- Auf welchen Grundlagen baue ich meinen Glauben auf? Vom Hörensagen? Aufgrund eigener Erfahrungen?
- Kenne ich in meinem Umfeld Menschen, die sich von Gott abgekehrt haben?
- Welche Argumente bringen Sie vor?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.