Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - siebter Teil - II

Buch Glauben Wozu (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Timothy Keller:

„GLAUBEN WOZU?“ - Religion im Zeitalter der Skepsis.

Brunnen Verlag, Giessen
Wozu Religion?
Ist Religion nicht auf dem absteigenden Ast?

Nach einer grossen amerikanischen Studie des Pew-Forschungsinstituts ist zu erwarten, dass die Religiosität in der Welt zunehmen wird. Während in den USA und in Europa der Prozentsatz an Menschen ohne religiöse Bindung momentan zunimmt, wächst er in der übrigen Welt stetig und stark. Vor nicht allzu langer Zeit waren sich führende Wissenschaftler der westlichen Gesellschaft noch einig darin, dass Religion unweigerlich vergehen würde, solange das Bildungsniveau steigt und die Modernisierung fortschreitet. Doch dies ist nicht eingetreten. Der Glaube blüht nicht nur unter weniger Gebildeten. Vier von fünf Menschen auf der Welt sollen den Glauben an Gott für sinnvoll halten. Besonders in Schwarzafrika, Lateinamerika und China hat es erdrutschartige religiöse Verschiebungen in Richtung Christentum gegeben. Warum wächst Religion immer noch, obwohl so viel säkularer Widerstand herrscht? Jürgen Habernas*, einer der prominentesten Philosophen, änderte selbst seine Haltung und steht dem religiösen Glauben positiver gegenüber. Er ist der Meinung, dass die säkulare Vernunft nicht alleine für das umfassende Menschliche aufkommen kann. Wissenschaft könne nicht über Moral entscheiden und solche definieren. Und die Wissenschaft zeige auf, dass sie nicht in der Lage sei zu beurteilen, ob ihre technischen Erfindungen für die Menschen gut oder schlecht seien. Dagegen wehren sich die Humanisten bis heute, deren Traum im 19. Jahrhundert war, dass der Niedergang der Religion zu weniger Krieg und Konflikten führen würde. Stattdessen wurde das 20. Jahrhundert von noch mehr Gewalt geprägt. Auch im Namen der Religion sind furchtbare Taten begangen worden. Die Wissenschaft und säkulare Vernunft sind durchaus Quellen enormen und unersetzbaren Wohls für die menschliche Gesellschaft sind. Sie lehren aber keine brüderliche Liebe, Selbstlosigkeit, Vergebung und können auch keine Grundlage für das Leben der Menschen sein. Immer mehr Menschen lehnen den Säkularismus ab, weil er ihnen keine zufriedenstellenden Antworten auf dringende Fragen gibt.

Ein zweiter Grund, warum Religion vielen Menschen weiterhin erscheint, ist deren weiterführender Blick. Steve Jobs bekannte im Angesicht seines nahenden Todes, dass es ihm seltsam erscheinen würde, dass man alle diese Erfahrungen auf Erden sammle… und dann sei alles einfach weg. Er wolle wirklich glauben, dass etwas überdauere… Es passte für ihn nicht zur Wirklichkeit, dass etwas so Bedeutendes wie das menschliche ‚Ich‘ einfach durch den Tod abgeschaltet würde. Nicht selten berichten Besucher von Kunstaustellungen und klassischen Konzerten, dass sie beim Anblick bestimmter Kunstwerke und dem Hören von Orchestermusik von deren überwältigender Schönheit „erschlagen“ werden und sich genötigt sehen, das Wort „spirituell“ zu gebrauchen. Solche Erfahrungen sind wahrscheinlich häufiger, als man meint. Viele Menschen erzählen nicht davon, weil sie sich vor möglichen abwertenden Reaktionen von Familie und Freunden scheuen.

Fragen zum Nachdenken
- Was ist meine Meinung: Ist Religion ein Auslaufmodell oder hat Religion Zukunft?
- Welche Hemmschwellen habe ich, um über meinen Glauben zu sprechen?

*) Jürgen Harbermas (*1929) ist ein deutscher Philosoph, der als einer der weltweit meistrezipierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart gilt


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 22.08.2024