Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - Spezial - Immanuel Kant

Immanuel Kant (Foto: Markus Zogg)

Zu seinem 300. Geburtstag
Immanuel Kant (1724-1804) gehört zu den bedeutendsten Philosophen der Neuzeit. Er stammt aus einem pietistischen Elternhaus und besuchte ein christlich geprägtes Gymnasium. Er studierte ein wenig Theologie und war zeitlebens eng mit Theologen befreundet. Trotzdem hat er die pietistische Frömmigkeit seiner Jugend im Laufe seines Lebens abgelegt. Er besuchte seither keine Gottesdienste mehr.

In Zusammenhang mit seiner Glaubensprägung wird eine Aussage von ihm häufig erwähnt: „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden.“ Er erkannte, dass der Mensch ein fehlbares Wesen ist und bleibt. Die Philosophie von Kant hat etwas mit dieser menschlichen Erfahrung zu tun. Ihm geht es um die Parallelität der Gesetzmässigkeiten der Natur und der Moral. Als Philosoph staunt Kant darüber, dass wunderbarerweise alle Menschen mit einem freien Willen vernünftigerweise dieselben moralischen Regeln anerkennen müssen.

Es ist unbestritten, dass Kant etwas zur Erkenntnistheorie (1) und zur Ethik beizutragen hat. Er pflegte zu sagen: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werden.“ Dieser Satz erinnert an die Aussage von Jesus Christus: „„Alles nur, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“ Insofern ist die Erkenntnis von Kant nicht revolutionär. Sie zeigt aber, dass er das christliche Gedankengut beibehalten hatte.

Hoch aktuell und wegweisend ist, dass Kant ebenfalls als Vordenker einer Welt-Friedensordnung gilt. In seiner im Jahr 1795 veröffentlichten Schrift „Zum ewigen Frieden“ formuliert er die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden zwischen den Nationen. Der Krieg sei ein Übel, weil im Krieg die Rechte der Menschen nicht gesichert werden könnten. Der wirkliche Friede sei ein Zustand des Rechts zwischen den Staaten, analog zum Rechtszustand zwischen den Bürgern eines Staates. In dieser Rechtsordnung würden Konflikte nicht mehr mit kriegerischen Mitteln, sondern auf dem Rechtsweg gelöst. Wenn sich alle Länder zu dieser Ordnung verpflichten und sie halten würden, gäbe es bestimmt bedeutend weniger Konflikte und Kriege auf dieser Welt.

Kant wusste, von was er schrieb. Er lebte in einem absolutistisch regierten Königreich in Preussen, in dem allzu revolutionäre Ideen zensuriert wurden. Kants Hoffnung auf Frieden war nicht vergeblich. Es gibt heute einen Staatenbund, der Kants Ideal versucht umzusetzen: die EU als Völkerbund.

Markus Zogg, Sozialdiakon

(1) Die Erkenntnistheorie ist ein Hauptgebiet der Philosophie, das die Fragen nach den Voraussetzungen für Erkenntnis, dem Zustandekommen von Wissen und anderer Formen von Überzeugungen umfasst. Dabei wird auch untersucht, was Gewissheit und Rechtfertigung ausmacht und welche Art von Zweifel an welcher Art von Überzeugung objektiv bestehen kann.
(Wikipedia: 2006, in: Wikipedia, die freie Enzyklopädie, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie (Stand: 04.07.2024)



Die „Impulse für den Glauben“ machen Sommerpause. Wir starten am Donnerstag, 15. August mit einer neuen Serie in die zweite Jahreshälfte 2024. Wir wünschen allen eine gesegnete Sommerzeit!
Bereitgestellt: 18.07.2024