Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - fünfter Teil - XV

Buch Hirte Meister Freund (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Peter Zimmerling:

„HIRTE, MEISTER, FREUND“ - Überrascht von der Seelsorge Jesu.

Brunnen Verlag GmbH, Giessen
Peter Zimmerling (1958) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er arbeitet als Professor für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Seelsorge an der Universität Leipzig. Er ist Domherr zu Meissen und Autor zahlreicher Bücher.

Konturen der Seelsorge Jesu

Im Handeln Jesu und seiner Art, wie er Menschen begegnet, lassen sich klare Konturen erkennen.

Entdeckung der Würde des Einzelnen
Für Jesus ist klar: Jeder Mensch hat als Geschöpf Gottes eine unverwechselbare Eigenart und Würde. Das wird zum Beispiel sichtbar an den Gleichnissen vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Schaf. Bei beiden wird das eine Verlorene betont. An vielen Stellen in den Evangelien wird sichtbar, dass Jesus sich dem einzelnen Hilfsbedürftigen zuwendet.
Im Markus-Evangelium Kapitel 5 ist die Rede von einer Frau, die eine Blutkrankheit hat und einem Mädchen, das auferweckt wurde. Im Kapitel 7 wird von der Heilung eines Taubstummen berichtet. Und in Kapitel 10 ist es Bartimäus, der im Vordergrund steht. Es ist auffällig, dass sich Jesus vor allem um Menschen kümmerte, die am Rande der damaligen Gesellschaft standen. Jesus begegnete den Menschen in Freiheit. Er drängte sie zu nichts. Im Johannes-Evangelium lesen wir im Kapitel 5 von den Szenen am Teich Betesda. Die Frage Jesu an einen chronisch kranken Mann war: „Willst du gesund werden?“ Im messianischen Selbstverständnis wird das Handeln vom Respekt der Freiheit des Menschen geprägt. Für Jesus ist klar, dass die Leben einengenden und zerstörenden Schranken der Gesetzlichkeit dem Wohlbefinden der Menschen nicht dienen. Im Johannes-Evangelium lesen wir in Kapitel 8, dass Jesus eine Frau vor der Steinigung bewahrt und dass er die Selbstgerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäern entlarvt. Im Lukas-Evangelium erfahren wir in Kapitel 10, dass Jesus eine Frau nach Art eines Rabbi lehrt, was im zeitgenössischen Judentum nur Männern vorbehalten war. Jesus überwand auch die kulturellen Barrieren, indem er z.B. der Samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen begegnete und mit ihr ins Gespräch kam (Johannes-Evangelium Kp. 4). Übers Ganze gesehen kann festgehalten werden, dass die Seelsorge Jesu ganzheitlich ist. Jesus teilte seinen Alltag bewusst mit anderen Menschen. Sein Ziel war es, Menschen in die Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen zu führen. Er wollte die Menschen aus falschen Sicherheiten herausführen und ihnen zum bedingungslosen Vertrauen auf Gott verhelfen. Die Seelsorgetätigkeit Jesu geschah im Horizont der Ewigkeit, die in der Umkehr, Nachfolge und ewiger Gemeinschaft mit Gott mündet.

Fragen zum Nachdenken:
- Welches Selbstverständnis habe ich von mir? Fühle ich mich als würdevoller Mensch?
- Was beinhaltet die Würde eines Menschen?
- In welcher Geschichte (siehe obige Bibelhinweise) kommt für mich die Würde des Menschen am stärksten zum Ausdruck?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.


Bereitgestellt: 18.04.2024