Impulse für den Glauben - fünfter Teil - X
In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Peter Zimmerling:
„HIRTE, MEISTER, FREUND“ - Überrascht von der Seelsorge Jesu.
Brunnen Verlag GmbH, Giessen
Peter Zimmerling (1958) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er arbeitet als Professor für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Seelsorge an der Universität Leipzig. Er ist Domherr zu Meissen und Autor zahlreicher Bücher.
Seelsorgegeschichten aus den Evangelien
Die Evangelien enthalten eine Fülle von Seelsorgegeschichten, die als Glaubenshilfe, als Zuspruch von Vergebung und als Lebenshilfe auch für uns von Bedeutung sind.
Seelsorge als Zuspruch von Vergebung
Das Gleichnis Jesu vom Pharisäer und Zöllner (Lukas-Evangelium Kp. 18)
Das religiöse Denken des Establishments zur Zeit Jesu sieht in etwa so aus:
Gott gilt als Tauschpartner. Der religiöse Mensch bietet Askese, indem er fastet, spendet und Gesetze einhält. Alle von Gott auferlegten Vorschriften werden eingehalten. Damit sichert man sich ein ruhiges Gewissen. Im Gegenzug dazu wird Gottes Wohlwollen erwartet. Ein derartiges Denken stellt Jesus radikal infrage.
Das Problem der Pharisäer als religiöse Elite war ihre Selbstgerechtigkeit. Sie wollten ein Vorbild an Frömmigkeit sein, in Wirklichkeit waren sie aber das genaue Gegenteil. Wegen ihrer Selbstgewissheit brauchten sie Gott eigentlich gar nicht. Im Gleichnis Jesu: Anstatt von Gott Hilfe zu erbitten, führte der Pharisäer ein frommes Selbstgespräch. Im Tempel wollte er in seiner Gebetshaltung (erhobene Hände zum Himmel gewandt) von allen Besuchern gesehen werden. Im Vordergrund stand nicht der allmächtige Gott, sondern die eigene fromme Selbstinszenierung.
Die Zöllner gehörten in Israel zur Zeit Jesu zu den von der Bevölkerung am meisten gehassten Menschen. Sie bereicherten sich schamlos an ihren jüdischen Volksgenossen. Und sie waren sich ihrer Unwürdigkeit bewusst. Das sah man an ihrer Gebetshaltung. Im Gleichnis Jesu: Sein Blick war gesenkt und die Hände an die Brust geschlagen, als Zeichen für Ratlosigkeit: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“
Jesus hebt das Beispiel des Zöllners hervor.
Jesus stellt die religiösen Massstäbe seiner Zeit auf den Kopf. Der als fromm anerkannte Pharisäer wird verurteilt, während der allgemein als unfromm geltende Zöllner von Jesus gerecht gesprochen wird. Schlussfolgerung: Für unsere Zeit könnte das bedeuten: eine blosse Mitgliedschaft in der Kirche kann nicht automatisch als Eintrittskarte in den Himmel dargestellt werden. Und einem agnostischen (gottlosen) Menschen bleibt nicht automatisch der Himmel verschlossen.
Fragen zum Nachdenken:
- Was ist meine Meinung zur Schlussfolgerung?
- Wie steht es um meine religiösen Bemühungen? Wo steht Gott im Zentrum? Wo steht meine eigene Selbstdarstellung im Vordergrund?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.