Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - fünfter Teil - VII

Buch Hirte Meister Freund (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Peter Zimmerling:

„HIRTE, MEISTER, FREUND“ - Überrascht von der Seelsorge Jesu.

Brunnen Verlag GmbH, Giessen
Peter Zimmerling (1958) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er arbeitet als Professor für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Seelsorge an der Universität Leipzig. Er ist Domherr zu Meissen und Autor zahlreicher Bücher.

Seelsorgegeschichten aus den Evangelien

Die Evangelien enthalten eine Fülle von Seelsorgegeschichten, die als Glaubenshilfe, als Zuspruch von Vergebung und als Lebenshilfe auch für uns von Bedeutung sind.

Seelsorge als Glaubenshilfe

Der besessene Knabe (Markus-Evangelium Kp. 9) – sprach- und gehörlos kann der Junge nur passiv mitansehen, was um ihn und mit ihm geschieht. Er ist völlig angewiesen auf die Fürsorge seines Vaters und die Hilfe von Jesus. Es ist eine Heilung voller Dynamik mit zwei Brennpunkten: Das Heilungswunder und der Glaube. Zu beiden Themen gibt es keine einfachen Antworten.
Eigentlich wäre es die Aufgabe der Jünger Jesu gewesen, sich um den besessenen Knaben zu kümmern. Sie merkten aber, dass sie keine Vollmacht gegen die bösen Geister hatten. Ihr Enthusiasmus ist irgendwie verflogen. Vielleicht waren sie in mancherlei Hinsicht enttäuscht. Der Vater des besessenen Jungen wusste genau, was er wollte. Er ist ehrlich und verschweigt sein Zweifel nicht. Was war die Reaktion von Jesus? Er machte seine seelsorgliche Hilfe nicht abhängig von der Grösse des Glaubens des Vaters. Er hilft ohne Vorbedingungen und Vorleistungen.

Die Wundergeschichten in den Evangelien gehören zu den seelsorglichen Problemzonen. An ihnen haben sich die Gemüter von Christen immer wieder erhitzt und tun es auch in Zukunft. Das liegt einerseits daran, dass die Wundererzählungen zum Kernbestand der Überlieferung vom irdischen Jesus gehören. Andererseits ist das naturwissenschaftlich geprägte Weltbild, welches vom 19. bis weit in das 20. Jahrhundert das Denken vieler Menschen in Europa bestimmte, auch heute noch ein Glaubenshindernis. Es besagt, dass man nicht mit Wundern rechnen kann, weil Naturgesetze nicht durchbrochen werden können. Die von Albert Einstein entdeckte Relativitätstheorie sprengte das bis dahin vorherrschende geschlossene naturwissenschaftliche Weltbild auf. Jedoch wurden diese revolutionären Erkenntnisse der Physik in ihrer ganzen Tragweite immer noch nicht von der Allgemeinheit aufgenommen.

Die Wunder Jesu sind Zeichen, Signale für das in die Welt hereindrängende Reich Gottes. Sie sollen zeigen, dass Jesus von Nazareth der Messias ist. An Ihnen wird erkennbar, dass durch Jesus das Reich Gottes in die Welt gekommen ist. Der Glaube der Menschen erscheint als eine dynamische Angelegenheit. Also nicht etwas, das man hat oder nicht hat. Das ist eine gute Nachricht für alle, deren Glaube schwach ist oder die gar nicht glauben können. Es gibt ein Wachstum im Glauben.

Martin Luther hat dazu in der Weimarer Ausgabe folgendes geschrieben:
„Das christliche Leben ist nicht Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht Gesundsein, sondern ein Gesundwerden, nicht Sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber. Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im Gang… Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glühet und glänzt noch nicht alles, es bessert sich aber alles.“

Fragen zum Nachdenken:
- Welche Haltung habe ich zu den Wundererzählungen im Neuen Testament?
- Ist mein Glaube eher von Zweifel oder von Überzeugung geprägt?
- Wie hat sich mein Glaube im vergangenen Jahr verändert?
- Wie soll sich mein Glaube in diesem Jahr entwickeln?


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.


Bereitgestellt: 22.02.2024