Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - fünfter Teil - I

Buch Hirte Meister Freund (Foto: Markus Zogg)

In unserer neuen Serie „Impulse für den Glauben“ besprechen wir das Buch von Peter Zimmerling:

„HIRTE, MEISTER, FREUND“ - Überrascht von der Seelsorge Jesu.

Brunnen Verlag GmbH, Giessen
Peter Zimmerling (1958) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er arbeitet als Professor für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Seelsorge an der Universität Leipzig. Er ist Domherr zu Meissen und Autor zahlreicher Bücher.

Jesus, der Seelsorger ohne Methode: individuell, vielfältig und paradox

Dass Jesus der Sohn Gottes ist, ganz Mensch und ganz Gott, ist von der Glaubenslehre her zwar korrekt, aber für die meisten Menschen lebensfremd. Es ist nicht fassbar und enthält keine konkreten Anhaltspunkte für den Alltag. Greifbarer sind Antworten zur Frage, wer Jesus als Person war und wie er mit Verwandten, Freunden und Gegnern, Kranken und Gesunden, Juden und Ausländern und vielen anderen Menschen umging. Jesus wollte jeder und jedem Einzelnen den Weg zu Gott, dem Vater zeigen. Er reagierte oft überraschend und sprengte jede Methode. Jesus begegnete den Menschen mit der grössten individuellen Vielfalt.

Die Evangelien sind voll von ungewöhnlichen Wunderberichten, z.B. Die Auferweckung der Tochter des Jairus (Lukas 7,11-17) oder die Auferweckung seines Freundes Lazarus (Johannes 11,1-45).
Jesus begegnete der Samariterin und führte sie dazu, dass sie zur Erkenntnis kam, dass Jesus der Messias ist (Johannes 4). Jesus verkündete die Liebe Gottes ohne Vorbedingungen und Vorleistungen (Lukas 15), forderte aber von den Menschen auch klare Entscheidungen (Lukas 9,60). Jesus bringt Frieden mit Gott, mich sich selbst und mit den Menschen (Markus 5,15). Jesus zerstört aber auch falsche Harmonie, entlarvt schonungslos Selbstsucht, Selbstgerechtigkeit, Selbsttäuschung, Selbstbetrug und Heuchelei, wie er das bei den Händlern im Tempel tat (Matthäus 21, 12-17). Auf der einen Seite lädt Jesus Menschen mit warmherzigen Worten in seine Nachfolge ein, um sich von ihm erquicken zu lassen (Matthäus 1,28f.). Auf der anderen Seite kündigte er einzelnen Menschen, Gruppen und ganzen Städten das Gericht Gottes, Vernichtung und Tod an (Matthäus 11, 20-24).

Weshalb ist Jesus in seiner seelsorglichen Begegnung mit Menschen so schwer einzuordnen? Weil…
  • … das menschliche Leben in seiner ganzen Komplexität zur Sprache kommt. Jeder Mensch muss aufgrund seines besonderen Charakters und Werdegangs anders behandelt werden.
  • … die Auffassung von Menschen und von Gott selbst von grossen Paradoxien geprägt ist. Die menschliche Existenz reicht bis in die dämonischen Abgründe. Jesus würdigt aber auch die menschliche Fähigkeit, zu lieben und Verantwortung zu übernehmen.
  • ... für Jesus Gott kein „lieber Gott“ ist. Der „liebe Gott“ ist eine Wunschvorstellung, die in keiner Weise der Wirklichkeit entspricht. Für Jesus ist Gott zwar ein liebender Vater, aber eben auch ein Gott, der im Kampf gegen die Sünde und die lebenszerstörenden Mächte des Bösen steht.


Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.


Bereitgestellt: 11.01.2024