Hoffnung bewahren
Zur hohen Kunst des Alterns gehört auch, dass man die Hoffnung bewahren kann. Das Schweizer Fernsehen hat am 26. Oktober 2023 eine Dokumentation mit dem Thema
» „Das Leben neu denken“ ausgestrahlt. Es geht um den Neurowissenschaftler, Dr. Martin Inderbitzin, der im Alter von 31 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist. Kurz nachdem er seine Doktorarbeit über das Thema „Wie wirken sich Angst und Stress auf unsere Gehirnaktivitäten aus“ abgegeben hatte, erhielt er die niederschmetternde Diagnose. Sein behandelnder Arzt erzählte ihm von einem ebenfalls jungen Mann, der ein paar Jahre zuvor dieselbe Diagnose erhielt und die Krankheit überlebte. Das war eine ermutigende Geschichte, die dazu beitrug, dass er weiterhin hoffte. Heute, über zehn Jahre später, lebt er immer noch!
Ein zehntägiges Experiment mit einer Spezialbrille wurde für ihn zu einer Metapher für seinen Kampf gegen den Krebs. Die Spezialbrille bewirkt, dass die ganze visuelle Wahrnehmung verkehrt auf den Kopf dargestellt wird. Zu Beginn des Experimentes erlebte er eine völlige Überforderung und ein Gefühl von Verlorenheit. Die ganze Achterbahn der Gefühle wird durchlebt.
Die Überlebenschancen sahen sehr schlecht aus. Martin Inderbitzin machte sich eine „bucket-list“. Es sind Dinge, die er noch erleben wollte, bevor sein Leben zu Ende geht. Dazu gehörte eine Atlantiküberquerung, Reisen in verschiedene Länder etc. Als er die „bucket list“ abgearbeitet hatte, lebte er noch immer. Er merkte, dass er damit von der Realität wegrennen wollte. Er wollte sich ablenken von dem, was ist. Dabei wäre es besser, ist er überzeugt, dass man sich radikaler damit auseinandersetzen soll, was man mit seinem Leben noch machen will. Wichtig sind die Fragen:
- Was tut mir gut? Was tut mir weniger gut? Was gibt mir Energie? Was nimmt mir die Energie?
Es geht darum, Dinge aus dem Leben zu entfernen, die einem nicht guttun. Dinge im Leben zu finden, die es nicht wert sind, sich daran zu klammern, und dann loslassen können. Für ihn selber hat er gemerkt, dass ihm Stress nicht guttut. Stress ist kein guter Partner für das Immunsystem. Deshalb ist es gut sich immer wieder zu fragen:
- Habe ich in den letzten Monaten und Wochen in irgendeiner Art Stress erlebt? Wie kann ich diesen Stress vermeiden?
Nach dem Abarbeiten der „bucket list“ war alles angesparte Geld aufgebraucht. Er suchte einen Job. Immer wieder fragte er sich: „Was möchte ich mit meinem Leben noch erreichen?“ Da kam ihm die Geschichte von diesem jungen Mann in den Sinn, der die Krankheit überlebte. Martin Inderbitzin beschloss, seine Geschichte öffentlich zu machen mit dem Ziel, andere zu ermutigen und Hoffnung zu verbreiten.
In der SRF-Dokumentation werden von ihm und seinen Eltern zahlreiche Aussagen gemacht, die es wert sind, sich Gedanken darüber zu machen:
• „Die Frage nach dem Warum ist die falsche Frage. Man muss fragen, was man nun daraus machen kann. Das, was man durchmacht, dient zum Leben.“
• „Wenn etwas zerbricht und zu Ende geht (Hoffnung, Träume, Beziehungen), eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.“
• „Unser Hirn erzählt uns die ganze Zeit eine Geschichte. Eine Frage, die ich mir immer wieder stellen kann: Ist es hilfreich, was ich mir da erzähle? Oder gibt es eventuell eine andere Version, die hilfreicher ist?“
• „Es gibt eigentlich zwei Arten von Krebs. Einer ist im Körper, der andere im Herz (Seele). Es geht darum zu akzeptieren, was Sache ist. Und dann in einem zweiten Schritt zu akzeptieren, wie man darüber fühlt. Wenn einem das gelingt, was nicht einfach ist, vermindert sich der Krebs im Herz, in der Seele.“
• «Wenn es Tage gibt, in denen ich zur Balance herausfalle, kann ich Worte, die mich bewegen, aufschreiben, und mit diesen Worten verweilen.»
• «Nütze den Tag im Bewusstsein, dass das Leben endlich ist. Carpe Diem.»
• «Wenn es mir gelingt, die Zeit, die ich auf dieser Erde zur Verfügung habe, unbeschwerter zu leben und loslassen zu können, bedeutet dies die ultimative Freiheit, weil dies etwas ist, was niemand einem wegnehmen kann.»
Mit seiner Geschichte möchte Dr. Martin Inderbitzin anderen Mut machen. Auf
» www.mysurvivalstory.org werden mutmachende Geschichten erzählt und gesammelt.
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.