Impulse für den Glauben - vierter Teil - IV
Als Grundlage dient das Buch von Otfried Höffe:
«Die hohe Kunst des Alterns: Kleine Philosophie des guten Lebens»
Vorbilder für eine Alterskunst (IV): ERNST BLOCH
Ernst Bloch (1885-1977) war ein deutscher Philosoph. Er stellte sich in die Tradition der Schriften von Karl Marx. Das Ziel, durch revolutionäre Umgestaltung anstelle der bestehenden Klassengesellschaft eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen, hat sich weltweit aber nicht durchgesetzt.
Einige Aussagen von Ernst Bloch (Kommentaren kursiv von Markus Zogg):
- „Der Leib erholt sich nicht mehr so rasch wie früher, jede Mühe verdoppelt sich.“
-> Das kann jeder älterwerdende Mensch bestätigen. Die Kunst ist, den Lebensmut nicht zu verlieren.
- Bloch meint, dass im Alter die Resignation herrsche. Es sei kein blosser Abschied von einem Lebensabschnitt, sondern der Abschied vom langen Leben selbst.
-> Der Traum von einer ewigen, jugendlichen Kraft wird mit zunehmendem Alter zu einer Illusion. Nehmen wir uns das weise Wort aus der Bibel zu Herzen. Im Psalm 39,6 lesen wir: „Wie begrenzt ist das Leben, das du mir gabst! Ein Nichts ist es in deinen Augen! Jeder Mensch, selbst der stärkste, ist nur ein Hauch, der vergeht.“ Es gilt, das eigene Leben im Gleichgewicht und Beziehungen bereinigt zu halten.
- Für Unwissende sei das Alter wie der Winter, für Gelehrte sei es Weinlese und Kelter.
-> Seien wir also „Gelehrte“ in Christus und fokussieren wir uns nicht auf das, was nicht (mehr) möglich ist, sondern auf das, was noch da ist.
- Zum gesunden Wunschbild des Alters gehöre, das Geben bequemer sei als das Nehmen.
-> Im Alter gibt es viel Zeit, die uns zur Verfügung steht, und die wir anderen „schenken“ können. Wir geben unsere Zeit und das löst bei uns mehr Zufriedenheit aus und ist letztlich bequemer (sinnerfüllender) für das Älterwerden als Nehmen.
- Würde man gefragt werden, wann man denn am ehesten „ich selbst“ sei und im höchsten den Menschen möglichen Mass wahrhaftig (echt und glaubwürdig) gelebt habe, würde man an die sogenannte Blütezeit, die angeblich besten Jahre denken.
-> Ohne die Einbussen im Alter zu leugnen, gibt das Alter doch bleibende Lebenswerte her: grössere Erfahrung und eine heitere Gelassenheit, die unwichtige Dinge beiseiteschiebt, sich auf das Wesentliche konzentriert und vor allem die Ernte seines Lebens einfährt.
- Im Idealfall entwickelt man sich als Mensch wie ein guter Wein: Mit zunehmendem Alter gewinnt man Charakter und strahlt Lebenserfahrung aus.
- „Die Besonderheit des Menschen liegt in einer Lernfähigkeit, die zugleich ein Lernbedürfnis ist“, sagt Ernst Bloch.
-> Die Frage ist, ob der Mensch irgendwann mal „ausgelernt“ hat, d.h. kein Fortschritt mehr möglich ist und kein Lernbedürfnis mehr existiert. Ich denke in diesem Zusammenhang vor allem an Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Diese Krankheit „geht weit über den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinaus. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmung, das Verhalten und Erleben der Betroffenen – das gesamte Sein des Menschen. In der Welt, in der sie leben, besitzen die Dinge und Ereignisse oft eine völlig andere Bedeutung als in der Welt der Gesunden. Die Betroffenen vereinsamen innerlich, da ihnen keiner in ihrem Erleben der Welt mehr zu folgen vermag.“ (Beschreibung: www.bundesgesundheitsministerium.de)
Aber es bleibt ohne Zweifel, dass man trotz erheblicher Identitätsverluste zufrieden sein kann und die Lebensqualität nicht gänzlich verschwindet.
Solange wir auf dieser Welt sind, leben wir in der Spannung von „Himmel und Erde“. Die Vollkommenheit Gottes gibt es auf dieser Welt, wenn überhaupt, nur partiell zu erleben und zu sehen. Krankheit, Leid und Fragen bleiben bestehen und versuchen uns zuweilen zu zermürben. Die einen halten diese Widerstände aus, andere resignieren oder geben gänzlich auf. Auf was können wir bauen? Was bleibt, sind „Glaube, Hoffnung und Liebe. Von diesen dreien aber ist die Liebe das Grösste.“ (1. Korinther 13,13)
An erster Stelle steht die Liebe Gottes zu uns Menschen. Gott ist proaktiv und macht Schritte auf uns Menschen zu. Wie sieht unsere Reaktion aus? Bei der Liebe zu unseren Mitmenschen sind wir herausgefordert. Es liegt viel an uns, wie unsere Beziehungen aussehen. Und dann ist da noch die Liebe, die jeder Mensch zu sich selber hat.
Wie steht es bei mir um diese dreifache Liebe? Wo begegnen mir diesbezüglich Schwierigkeiten?
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.